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Nur noch ein Jahr

  • Autorenbild: Raquel Iglesias Serrano
    Raquel Iglesias Serrano
  • 27. Jan. 2025
  • 67 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Feb. 2025


Dieser Roman ist eine Liebeserklärung an Berlin, inspiriert von meiner glücklichen Zeit dort. Die Geschichte zeigt, wie Sturheit oft das Offensichtliche verdeckt, basierend auf meiner unglücklichen Erfahrung in einer anderen Stadt und Arbeit. Aus diesen Momenten entstanden meine Geschichte während meiner Schichten, mit völlig erfundenen Charakteren, die jeder Kellner auf irgendeine Weise schon mal kennengelernt hat.


Prolog

Oktober 2010

Unruhig saß Sophia am Tresen des stilvollen Restaurants, ihre Finger trommelten nervös auf die Tischplatte.  Je länger sie wartete, desto absurder erschien ihr das Ganze. War es wirklich eine gute Idee gewesen, diese Anzeige in der Berliner Morgenpost zu beantworten? Online hatte sie längst alle vielversprechenden Anzeigen durchforstet, ohne Erfolg. Deshalb griff sie – fast schon verzweifelt – zur Zeitung. Und da war sie: eine unscheinbare Anzeige, die sie spontan dazu brachte, zum Hörer zu greifen.  Die Stimme am anderen Ende, tief und irgendwie beruhigend hatte sie sofort überrumpelt.

"14:00 Uhr, Restaurant Edel."

Noch heute Die Adresse lag glücklicherweise nur ein paar Straßen entfernt. Trotz alledem hatte Sophia kaum noch Zeit, sich vorzubereiten. Sie sprang schnell unter die Dusche. Bahnt sich ihre langen braunen Haare zu einem Pferdeschwanz etwas locker, nicht zu streng zusammen. Legte noch ein leichtes Make-up auf. Sie wollte auch nicht so elegant im Restaurant auftauchen. Ihre braunen Augen wirkten dunkler als sonst. Sie schaute kritisch in den Spiegel, war aber zufrieden mit dem Ergebnis. Lächelte noch einmal in den Spiegel, um sich Mut zu machen und ging zum Restaurant.

Sie war etwas spät dran. Um es pünktlich zu schaffen, müsste Sophia sich beeilen. Es war ihre letzte Möglichkeit, ihrem Schicksal die richtige Wendung zu geben. Sophia wollte auf gar keinen Fall zu spät kommen. Mit dem öffentlichen Verkehrsmittel würde es länger dauern. Ein Auto hatte sie nicht. Deshalb entschied sie sich und nahm ihr Fahrrad. Sophia war froh, dass sie den Weg zum Restaurant kannte. Sie fuhr zügig, aber auch nicht so schnell, damit sie nicht so verschwitzt ankam. Mit dem Fahrrad könnte sie sich gut durch den Verkehr schlängeln. Etwas aus der Puste hatte sie es noch gerade rechtzeitig geschafft.

Jetzt saß sie da, pünktlich und von dem Herrn war weit und breit nichts zu sehen. Unfähig, den Knoten in ihrem Magen zu lösen, fragte sie sich, ob es wirklich nur ein Vorstellungsgespräch war – oder ein Fehler, der ihr ohnehin wackeliges Leben endgültig ins Chaos stürzen würde. Was für eine bescheuerte Idee. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Sie bereute es schon fast, dass sie so schnell zugesagt hatte.

Es war ein ungewöhnlich schöner herbstlicher Tag, warum sitze ich hier und warte, statt diesen wunderschönen Tag zu genießen. Wie sie so darüber nachdachte, sah sich Sophia nervös um. Das Restaurant bestand aus drei kleinen Räumen. Die nicht sehr groß waren. Der obere Bereich hatte acht Tische. Soweit Sophia es sehen könnte, vom Tresen aus. Ging es noch eine kleine Stufe runter in den zweiten Bereich, wo ein schmaler Gang war, mit noch zwei großen länglichen massiven Holztischen. Von Tresen aus, wo Sophia saß, konnte erahnt werden, dass es noch einen dritten Bereich gab.

Das Restaurant hatte ein elegantes, südländisches Ambiente. Wo man sich sofort wie im Urlaub fühlt.

Sophia entdeckte noch einen kleinen hinteren Hof, der noch zum Restaurant gehörte. Im Sommer konnte man dort sicherlich gemütlich sitzen und einen Wein genießen. Sophia dachte darüber nach und wurde immer nervöser. Ständig betraten neue Gäste das Restaurant, und der obere Bereich war bereits voll. Sophia wartete schon seit einer halben Stunde. Ihre Geduld schwand und ihre Nervosität wuchs. Jedes Mal, wenn die Tür aufging, hoffte sie, dass es ihre Verabredung wäre. Auch der Kellner schaute jedes Mal auf die Tür und würde immer wütender, als noch mehr Gäste kommen. Er war ganz alleine. Die Situation würde immer schlimmer, aus der Küche kam ständig ein Klingeln, die Gäste, die Platz genommen haben, wollten, bestellen. Man spürte, dass nicht mehr viel fehlte, bis der Kellner explodieren würde.

Wütend ging der Kellner in die Küche. Die sich direkt hinter dem Tresen befand, die nur durch eine dicke Glasscheibe getrennt würde. Sophia sah, dass der Kellner die Köche anschrie. Sophia könnte nicht hören, was der Kellner in der Küche schrie; die Glasscheibe war zu dick. Sie bemerkte, dass noch drei Köche in der Küche waren. Einer von ihnen war groß, trug ein schwarzes Cappy und sein durchtrainierter Körper zeichnete sich deutlich unter der enganliegende Kochjacke ab. Auf den ersten Blick wirkte er attraktiv, doch seine selbstgefällige, arrogante Art trübte das Bild. Es war der gutaussehende Koch, der den Kellner anfuhr, als wäre dieser weit unter seiner Würde.

Der zweite Koch hingegen verharrte still daneben, ruhig und beobachtend, ohne einzugreifen. Er war einen Kopf kleiner und etwas dicklicher als der gutaussehende Koch, seine gedrungene Statur stand im Kontrast zu dem durchtrainierten Kollegen. Das schwarze Haar, das ihm wirr vom Kopf abstand, schien selbst mit Unmengen an Haargel nicht zu bändigen, als hätte es einen eigenen Willen.

Der dritte Koch wirkte fast noch wie ein Junge, schmächtig und unsicher. Kaum zwanzig Jahre alt, ließ die weite Kochjacke ihn in der Küche beinahe verloren aussehen, als hätte er in einer Welt Platz genommen, die ihm noch nicht gehörte.

Während Sophia das alles beobachtete, wurde sie immer nervöser. Sie wollte dem Kellner irgendwie helfen. Die Getränke stapelten sich an der Bar und das Essen in der Küche. Immer wieder, wenn der Kellner die Getränke wegbringen wollte, klingelte es aus der Küche. Sophia tat der Kellner immer mehr leid. Mit drei Tellern kam er wieder aus der Küche.  Diesmal ließ der Kellner die Tür offen. So könnte Sophia hören, was in der Küche gesprochen wird. Er schrie noch in die Küche.

"Einer von euch Wichser könnte, statt ständig auf die Klingel zu schlagen, auch mal ein Teller herausbringen!"

Der Koch mit den Cappy lächelte nur dreckig und meinte

"So weit kommt es noch, dass ich Tellertaxi werde."

Der etwas dicker Koch schüttelte nur unverständlich den Kopf, nahm sich zwei Teller und versuchte so gut es ging zu helfen und lief den Kellner hinterher. Dadurch, dass die Tür von der Küche jetzt offenstand. Wurden die Geräusche in der Küche immer lauter. Was die Atmosphäre in diesem Moment noch aggressiver machte. Als der dickliche Koch zurück zur Küche ging, hörte Sophia nur noch dem Koch mit dem Cappy sagen.

"Ein beschissener Koch ist immer noch ein guter Kellner."

Dabei hatte immer noch das dreckige Lächeln im Gesicht. Der etwas dickliche Koch sah ihn provokant an.

"Ja genau. Du bist einer, der beschissensten Köche, die ich kenne, aber als Kellner wärst du noch beschissener. Was kannst du eigentlich, Kai, außer blöde Sprüche klopfen?"

Dabei betonte er, dass du sehr deutlich

"Halt einfach die Fresse. Damit würdest du jedem einen Gefallen machen. Einfach Fresse halten!"

er sagte es ruhig, ohne sich weiter provozieren zu lassen. Der jüngere Koch musste lächeln, man sah ihm die Schadenfreude an. Kai hieß der gutaussehende Koch der sein Fett abbekommen hat. Kai bemerkte es, er funkelte böse mit den Augen beide Köche an. Sagte aber nichts mehr.

Jeder ging an seine Arbeit. Daraufhin war es ruhig in der Küche, man hörte nur noch die Pfannen, die hektisch geschwungen würden. Sophia wollte nur noch gehen, sie hatte lang genug gewartet. Sie stand von Barhocker auf. Nahm ihre Sachen. Als wieder die Tür aufging. Der Kellner und Sophia sahen gleichzeitig zur Tür. Ein Mann kam herein, mit einer lachenden Frau an seiner Seite. Beide schienen sich über was zu amüsieren. Der Keller erblickte die beiden, in diesem Moment brach es aus ihm raus.

"Wo verdammt noch mal wo wart ihr? Ihr wolltet vor der Servicezeit da sein. Sprich um 11:00, jetzt ist es bereits 14.30 Uhr, Paul, du weißt ganz genau, dass ich hier alleine im Service bin. Das Essen stapelt sich schon in der Küche und glaubst du, dein Arschloch Chefkoch bringt nur mal einen Teller raus. Nein, natürlich nicht, schrie er immer lauter <das muss er auch nicht, er ist ja Koch und kein Kellner und außerdem der beste Freund von Chef. Da hat man ja alle Privilegien. Du dummes Arschloch!"

schrie der Kellner exaltiert noch mal in die Küche.


Paul grinste ihn nur süffisant an, er versuchte die Situation herunterzuspielen.

"Bleibt doch mal locker, die paar Gäste. Schaft du das nicht alleine, wofür bezahle ich dich? Das ist schließlich dein Job."

Der Kellner schaute ihn nur fassungslos an. Er könnte gerade nicht glauben, was er gehört hatte. "Locker bleiben." Er schüttelte nur mit dem Kopf.

"Du hast recht, ich bleibe locker. Ich bin auch selbst schuld. Warum gebe ich mir diesen Stress? Bestimmt nicht wegen der Bezahlung. Was du Bezahlung nennst, nenne ich einen Hungerlohn. Das hier ist nicht mein Restaurant, warum sollte ich mir den Arsch aufreißen, wenn ihr beiden nicht mal Bock darauf habt!"

Mit einem Ruck riss er sich die Schürze vom Leib und schleuderte sie Paul vor die Füße.

"Ich bin raus, und wage es ja nicht, mir mit der Kündigungsfrist zu kommen. Nicht nach den unzähligen Überstunden, die ich hier geschuftet habe!" brüllte der Kellner, seine Stimme hallte durch den Raum.

Ohne auf eine Reaktion zu warten, drehte er sich abrupt um und marschierte zur Tür, entschlossen, diesen Ort für immer hinter sich zu lassen. Sophia stand immer noch am Tresen und schaute sich entsetzt die Szene an. Auch ihr war die Szene peinlich, sie wollte nur noch gehen. Der Kellner war so wütend, dass er Sophia beim Herausgehen fast umgerannt hätte. Mit ihrer Größe von etwa 1,72 war sie zwar nicht leicht zu übersehen und obwohl sie sportlich gebaut war und sie nichts so schnell umhaute, fiel ihr die Bewerbungsmappe aus der Hand. „Entschuldigung“, murmelte der Kellner hastig, während er sie reflexartig am Arm festhielt, um sie zu stützen. Da sah er die Bewerbungsmappe, die auf den Boden gefallen war.

"Schätzchen, tu dir das nicht an. Überlege dir das gut, ob du hier arbeiten möchtest. Die beuten einen nur aus. Das hier ist Gastronomie zum Abgewöhnen."

Den letzten Satz schrie er noch wütend in den Raum, dann ging er durch die Tür. Das war das Letzte, was Sophia von ihm sah. Die Gäste schauten während des ganzen Streits betreten weg oder taten so, ob nichts wäre. Sophia hebt ihre Bewerbungsmappe auf und wollte nur noch weg. Bis Paul sie ansprach,

"Wenn sie den Job haben wollen, kommen sie morgen früh um 10:00 Uhr."

Er hebt die Schürze auf, band sie sich um. Ging zu den Gästen und bediente sie weiter, ob nichts gewesen wäre. Das war also Paul, mit den Herren hatte sie am Mittag telefoniert wegen des Jobs. Die Freude darüber, dass Sophia endlich einen Job hatte, war gedämpft, beinahe erzwungen. Seit ihrer Rückkehr nach Berlin hatte sie wochenlang verzweifelt nach Arbeit gesucht – vergeblich. Jetzt blieb ihr keine andere Wahl mehr. Es ist ja nur vorübergehend, redete sie sich ein, doch tief im Inneren wusste sie, dass dies ihre letzte Chance war. Vor Kurzen war sie 26 geworden, und der Druck, ihr Leben nicht völlig gegen die Wand zu fahren, lastete schwer auf ihr. Sie brauchte diesen Job, sie brauchte das Geld – dringend. 50 000 €, um genau zu sein. Ohne diese Summe würde sie das Letzte, was ihr noch geblieben war, unwiederbringlich verlieren. Wie hätte sie ahnen können, dass sie diesen Tag und diese Entscheidung in den nächsten vier Jahren verfluchen würde?

 

Kapitel 1
Mai 2014

Als Sophia abgehetzt die Tür vom Café öffnete, strahlte ihr schon Simone entgegen und machte sich sofort daran, einen Kaffee zu machen. Es saßen nicht viele Gäste im Kaffee. Simone kam zu Sophia an den Tisch gab ihr den Kaffee und saß sich zur ihr.

"Dreifach Espresso, mit einem Schuss heißer Milch. Du siehst danach, aus, ob du einen starken Kaffee brauchen würdest. Du bist knapp daran. Hast du mal wieder getrödelt?"

getrödelt nicht, fast verschlafen und rieb sich müde die Augen.

"Für einen Kaffee in Ruhe zu Hause war keine Zeit mehr." "Wie lange ging es gestern noch?" Simone schaute Sophia mitleidig an. Simone wusste genau, wo Sophia arbeitete. Ihr kleines Café lag direkt gegenüber dem Restaurant, in dem Sophia seit vier Jahren bei Paul angestellt war. Immer wenn Sophia nicht genug Zeit hatte, um selbst etwas zu essen zu machen, holte sie sich eine Kleinigkeit von dort. So hatten die beiden sich kennengelernt. Aus diesen flüchtigen Begegnungen entstand nach und nach eine Freundschaft. "Lange, verdammt lange." Noch, während sie das sagte, musste sie gähnen. "Das letzte Pärchen hatte mal wieder richtig Sitzfleisch bewiesen."

Sophia, schüttelte verständnislos den Kopf

"Die wollten nicht nach Hause … Erster Abend ohne das Baby. Ach, wir genießen das gerade so, mal wieder in Ruhe etwas essen zu können."

imitiert Sophia das Pärchen nach.

<Nett waren sie, klar, aber mussten sie ausgerechnet meinen Abend ruinieren? Das Schlimmste war, dass sie den ganzen Abend über am Knutschen waren. Und er! Er konnte seine Hände einfach nicht bei sich behalten! Es war, als hätte er sich auf Herz und Nieren prüfen wollen – ständig am Begrapschen. Es wurde so unangenehm, dass ich schwören könnte, hätte ich die Situation nicht unterbrochen. Hätten die es direkt auf dem Tisch getrieben. < Du Spielverderberin, das war doch bestimmt Sexy!> < Spielverderberin? Das war Grauenvoll. Einfach grauenvoll. Sexy? Nein, glaube mir, das war so weit von sexy entfernt wie ich von einem schnellen Feierabend! Sophia schüttelte beim Erzählen immer wieder den Kopf. <Ich könnte nicht anders. Ich habe ihnen das Hotel ein paar Straßen weiterempfohlen.> <Das hast du nicht!>Sophia starrte Simone entgeistert an, während Simone laut loslachte. < Doch, das habe ich! Die haben mir doch keine andere Wahl gelassen. Bevor ich da noch unfreiwillig als Zuschauer in einem schlechten Amateur-Porno lande!> Sophia schaute unschuldig, zuckte mit den Schultern. <Wie auch immer, ich könnte das Unglück oder Glück noch abwenden.><Was du alles da drüben erlebst.> Simone lachte noch immer, ihr Lachen klang ansteckend und frei, als könnte es die ganze Welt erhellen. Sophia liebte es, wenn sie es schaffte, diesen Klang aus ihr herauszulocken – es war, als würde Simones Lachen die Schwere ihrer eigenen Gedanken vertreiben. In solchen Momenten vergaß sie für einen Augenblick alles, und ohne es zu merken, stimmte sie in Simones Lachen ein. Sophia nahm einen großen Schluck von ihrem Kaffee. Sie sah Simone an und wurde ernst. <Die Arbeit macht mich fertig. Es ist, schlimm, momentan komme ich zu gar nichts. Dass Bea die Woche im Urlaub ist, bekomme ich deutlich zu spüren. Alles bleibt an mir hängen. Seit Tagen möchte ich zu Hause die Wäsche waschen. Meinst du, ich komme dazu, entweder bin ich auf der Arbeit oder ich bin hier, weil ich es nicht nach Hause schaffe> <ach Süße, ich weiß auch gar nicht, wie du das da drüben aushältst. Du weißt, wenn ich könnte, würde ich dich sofort einstellen. Aber mehr als Aushilfen gibt das kleine Café leider nicht her. Das reicht gerade für die Steuer und mich>. Beim letzten Satz musste Simone bittersüß lächeln. < Das weiß ich doch>, wie Sophia das sagte, nahm noch mal einen Schluck von ihrem Kaffee und schaute auf die Uhr. <Sorry Simone, ich muss los und danke für den Kaffee. Du rettest, wie immer, mein Leben.> <Du hast mir auch mein Tag versüßt mit der Geschichte. Kommst du, später noch mal vorbei?> Wollte Simone wissen. <Ich hoffe nicht, vielleicht komme ich gut raus und schaffe es heute Mittag meine Wäsche zu waschen>. Sophia ging bereits eilig aus der Tür. <Wir sehen uns!> Sophia rannte schnell die Straße rüber. Obwohl sie etwas zu spät war, war Sophia abgesehen von dem Küchenpersonal immer noch eher da als Paul. Sophia schrie in die Küche morgen Jungs. Von der Küche kam nur ein müdes „Morgen“ zurück. Sie ging schnell nach unten, legte ihre Taschen in den Schrank. Nahm sich eine schwarze Bluse und zog sich schnell um. Auf dem Weg nach oben zog sie sich noch ihre Schürze an. Wie jeden Tag bereite sie wie immer alles vor. Bevor der Service anfing. Füllte Eis in die Champagnerschale, schnitt das Brot, schaute noch mal, ob alle Tische richtig eingedeckt waren. Füllte noch den Rest an Getränken auf. Fragte in der Küche nach, ob es Änderungen in der Speisekarte gab. Überprüfte an der Kasse, wie viele Reservierungen es heute waren und wo sie die Gäste platzierte. Laut Reservierung war heute Mittag nicht viel los, nur ein vierer Tisch. Sophia schaute nach oben und schickte ein kleines Stoßgebet <hoffentlich bleibt das so>. Dann kamen auch schon die ersten Gäste. Es blieb so den ganzen Mittag. Es war nicht viel los. Wenn alles gut geht, würde sie heute pünktlich herauskommen. Paul ist zwar erst gekommen, hat aber gesehen, dass wenig los war und ist darauf hin direkt in sein Büro gegangen. Seitdem ist er auch nicht mehr herausgekommen. Wahrscheinlich ging er wieder seiner Lieblings-Beschäftigung nach, er postet viele Fotos von sich oder vom Restaurant in Instagram oder einem anderen Social-Media-Anbieter. Damit konnte er sich Stundenlang beschäftigen. Sophia war es recht. Bevor sich der eingebildete Fatzke im Service einmischte. Auch wenn sie in den vier Jahren von Paul viel gelernt hatte, war es alles andere als einfach für sie gewesen. Besonders in ruhigen Momenten, wenn weinig los war, kamen die Erinnerungen an die Anfangszeit im Restaurant wieder koch. Sophia konnte manchmal kaum glauben, dass sie so lange durchgehalten hatte. Sie schüttelte den Kopf, wenn sie an die unzähligen unbezahlten Überstunden und Pauls ständigen Gemeinheiten dachte. Eines musste man ihm lassen. Er wusste genau, wie er sie wegen ihrer Unerfahrenheit manipulieren konnte. Kaum hatte sie einmal den Namen eines Weins falsch ausgesprochen oder wusste nicht, von welchen Rebsorten die Gäste sprachen, nutzte Paul jede Gelegenheit, sie mit seiner Charmanten Art vor den Gästen zu blamieren. Damit ihr das nicht nochmal passierte lernte sie schließlich die komplette Weinkarte mit ihren 300 Weinen auswendig. Sophia wusste es damals nicht besser, den Paul zog ihr für jeden vermeintlichen Fehler etwas vom Trinkgeld ab. Wie oft war Sophia deswegen so wütend das sie hinschmeißen wollte. Sie konnte ja verstehen, dass er ihr nicht viel bezahlte – schließlich hatte sie vorher nie im Service gearbeitet, erst recht nicht in der gehobenen Gastronomie. Das Paul sie Demütigte und ihre Lage so ausnutzte? Obwohl er wusste das sie jeden Cent braucht. Dafür hatte sie kein Verständnis. Sie hatte sogar einmal kurzzeitig gekündigt, doch Paul, der dachte, er könnte sie leicht ersetzen, überredete sie, zurückzukommen. Doch diesmal war alles anders. Sophia drehte den Spieß um. Nicht umsonst hatte sie all die Überstunden über sich ergehen lassen und hatte alles gelernt was für den Service nötig war.  Um so schnell wie möglich an ihr Ziel zu gelangen. Sie forderte mehr Geld und bestand auf mehr Anteil am Trinkgeld. Paul das arrogante Arschloch, war zwar unerträglich aber nicht dumm. Er wusste, was er an ihr hatte, und willigte ein. In all den Jahren hatte Sophia unzählige Kellner kommen und gehen sehen, und es wunderte sie längst nicht mehr, dass sich kaum noch jemand bei Paul bewarb. Sein Ruf als miesester Chef der Stadt war weit bekannt – und Sophia wusste genau, wie sie diese Tatsache zu ihrem Vorteil nutzen konnte. Jetzt hatte sie zum größten Teil ihre Ruhe. Obwohl, Paul mit seiner arroganten Art Sophia oft zu Weißglut brachte. Mit der angemessenen Gehaltserhöhung und dem Trinkgeld. Ließ sie das all die Jahre durchhalten! Nur noch ein Jahr, dann hat sie es geschafft. Ein Jahr würde sie noch durchhalten. Wie Sophia darüber nachdachte, hörte sie von draußen ein Donnergrollen. <So ein Mist, das darf doch jetzt nicht wahr sein>. Sophia schaute aus dem Fester. Was sie sah, gefiel ihr gar nicht. Es fing in Strömen das Regnen an. <Wieso, warum gerade heute>. Sophia Laune war am Tiefpunkt angelangt. Sie dachte an ihre Wäsche. Die sie heute noch auf jeden Fall erledigen wollte. Bei dem Regen könnte sie unmöglich in der Mittagspause nach Hause radeln. So wie es jetzt ausschaute, musste die Wäsche bis zum Sonntag warten müssen. <Super, der einzige freie Tag und ich werde Wäsche waschen müssen> murmelte Sophia vor sich hin. <Verdammt. Unmöglich noch bei den Regen, mit dem Fahrrad in der Pause nach Hause zu fahren, ohne klitscht Nass zu werden.><murmelte sie weiter vor sich hin> Die einzigen Gäste, die heute Mittag reserviert hatten, saßen immer noch da. Sophia wollte auf keinen Fall, dass sie hörten, wie sie leise vor sich hin fluchte, während sie darauf hoffte, dass sie endlich aufbrechen würden. Doch der Regen draußen machte es wahrscheinlich, dass sie noch lange bleiben würden. Normalerweis schloss das Restaurant gegen die Mittagszeit um 15:00 Uhr, es sei denn, es waren noch Gäste da. Paul legte großen Wert darauf, dass die Gäste von selbst gingen; Öffnungszeiten waren ihm dabei egal. Schließlich musste er nicht warten, bis der letzte aufstand. Hauptsache, keine schlechte Bewertung im Internet – davor hatte Paul wirklich Angst. Mit etwas Pech, dachte Sophia frustriert, würden die Gäste den ganzen Nachmittag hierbleiben. <Das war’s mit pünktlich gehen. Bye Bye Pause.> gab Sophia leise sarkastisch von sich. Seit dem Vormittag saßen die vier Gäste schon da. Es waren Geschäftsleute. Es sah auch nicht danach aus, ob die Gäste gehen wollten. Sie hatten alles gehabt, der Wein ist leer. Espresso hatten sie auch schon getrunken. Die Gäste unterhielten sich über ein Start-up, soweit Sophia beim Service mitbekam. Müssen die nicht mal wieder ins Büro und zurück an ihren Arbeitsplatz? Sophia hasste es, Geschäftsleute zu bedienen. Man hatte immer das Gefühl, zu stören. Wenn man höflich fragte, ob sie noch etwas bestellen wollen, antworteten sie nicht mal. Sie wollte nur noch, dass die Gäste bezahlten und gehen. Damit sie wenigstens noch etwas von ihrer Pause hatte. Sie wollte auf gar keinen Fall schon wieder durcharbeiten. Sophia wollte nur noch gehen, von Minute zu Minute würde sie ungeduldiger. Darauf hatte sie wirklich keine Lust. Auch bekam sie langsam Hunger, Sophia hatte nur den Kaffee von Simone heute Morgen und Wasser getrunken. Dieser Teildienst, wie sie ihn hasste, man kommt zu nichts. Selten, dass man pünktlich herauskommt. Sie muss sich wohl noch gedulden und Geduld war nicht ihre größte Stärke, nicht wenn sie Hunger hatte und gehen wollte. Sophia polierte noch die restlichen Gläser weg. Schaute sehnsüchtig aus dem Fenster, so wollt in die Pause. Der Regen gab nicht nach. Wenn sie wirklich nicht hier ihre Pause verbringen wollte, musste sie jetzt die Initiative ergreifen. Es gab immer Möglichkeiten, den Gästen zu verstehen, dass es Zeit ist zugehen. Bei den Gedanken lächelte verschmitzt. Sie schaute sich um, die Küche ist bereits nach dem Dessert gegangen. Paul ist in seinem Büro. Sein Büro war schön weit weg. Der lag im dritten Teil des Restaurants. Durch eine schmale Treppe gelangte man nach ob in das Büro. Es war ein kleiner Raum. Wo gerade nur ein Schreibtisch hereinpasste und eine Couch. Nur wenn man im innen Hof war, könnte man das Büro sehen. Das Restaurant hatte sich in den Jahren nicht verändert. Es war wie ein U geschnitten und ging schmal nach hinten weg. Direkt neben dem Eingang war ein großes Schaufenster. In, dass die Fußgänger oder Touristen immer wieder neugierig hereinschauten. Die Wände waren sehr hoch. Die komplette rechte Seite vom Restaurant ist bis hinten durch mit alten Weinkisten vertäfelt. Es würden Streben dazwischen gelegt, um Weinflaschen draufzulegen. Im dritten Teil des Restaurants stand ein langer Holztisch für etwa 20 Personen für kleine Familienfeiern. Dann gab es noch den mittleren Teil, der ist etwas schmaler, da standen zwei weiter große massive Holztische in denen ungefähr noch weitere 15 Personen Platz hatten. Von da aus ging es direkt zu einem kleinen innen Hof, wo man im Sommer auch draußen sitzen könnte. Durch die großen Glastüren sah es aus wie in einem Wintergarten. Der vordere Teil war das Herzstück. Wenn man durch den Haupteingang ging, lag auf der linken Seite die halb offene Küche. Durch die große Glasscheibe könnte man in die Küche gut hereinsehen. Die Küche ist nicht sehr groß, es hatte auf der linken Seite noch ein kleines Fenster. Der Küchenbass war gleich direkt hinter der Tür. Hintern Bass stand ein langer Kochherd, an dem zwei Köche arbeiten könnten. Auf der linken Seide war noch eine lange Arbeitsfläche für die kalte Küche und noch eine Geschirrspülmaschine. Vor der Küche war die Theke, wo man die Gäste empfangen könnte. Zwischen Hauptteil und Küche war noch eine transparente Trennwand, da ging eine Treppe nach unten, wo sich die Gäste-Toiletten, das Lager und ein Raum für das Personal zu umziehen befand. Hinter der Trennwand waren weiter 8 Tische für etwa 20 Personen. Auch wenn Sophia ihre Arbeit bei Paul nicht möchte. Füllte sie sich wohl im Restaurant, sie möchte das Ambiente. Manchmal erinnerte sie das Restaurant, an die alte Restaurants in Madrid. Das machte es für Sophia erträglicher. Es gab ihr ein Gefühl von Heimat. Das war auch einer der Gründe, warum sie all die Jahre durchhielt. Paul, kam die ganze Zeit, nicht aus seinem Büro gekrochen. Von Paul brauchte Sophia nicht zu hoffen, dass er sie ablöste. Damit sie nach Hause konnte. Dafür ließ er den Chef zu sehr heraushängen. Sie müsste sich was überlegen. Wie würde sie jetzt die Gäste los? Es sah nicht danach aus, ob die Gäste es eilig hätten. Sophia wollte nicht unhöflich sein und die Gäste um die Rechnung bitten. Aber ihr blieb nichts anders übrig. Sie ging zum Tisch, <wenn die Herren nicht mehr trinken möchten, würde ich ihnen die Rechnung bringen, wir schließen gleich> sagte sie mit höflicher Stimme und lächelte freundlich. Sie wollte in die Pause, und zwar jetzt. Ihre Körperhaltung signalisierte es deutlich. Es war nur der Regen und die leise Musik aus den Boxen zuhören. Einer der Herren blickte genervt zu Sophia hoch. <Nein, wir möchten nicht mehr trinken. Auch nicht weiter gestört werden. Wir sind hier gerade in einem wichtigen Gespräch. Es regnet ohnehin draußen, dann können wir auch sitzen bleiben.> Er zögerte einen Moment und atmete genervt aus < Aber die Rechnung, können sie uns trotzdem schon mal bringen> gab der Herr großkotzig von sich. Ohne weiter was zu sagen, brachte Sophia den Herren die Rechnung zum Tisch und sah ihn dabei direkt in die Augen. Sophias Augen sprach mehr als tausend Worte<Du Arschloch, hast mir gerade noch gefehlt> Der Herr zahlte mit Kreditkarte. <Runden sie auf 250 €> meinte der Herr gönnerhaft. Sophia sah ihn nur an und dachte sich ihren Teil. Wow, nicht mal 3 € Trinkgeld bei einer Rechnung von ca. 247,50 €. Was für ein Arsch. Sie sagte nur kurz Danke, gab dem Herren seine Rechnungsbeläge und ging. Für 3 € sah Sophia gar nicht ein. Ihre Mittagspause hier im Restaurant zu verbringen. So wie es aussah, wollten die Gäste nicht gehen. Sie wartete noch etwa 15 Min. Doch die Gäste dachten nicht im Geringsten daran, aufzubrechen. Sie vertieften sich in Gespräche über ihre Geschäfte, als wären sie in einem Konferenzraum und nicht in einem Restaurant. Der Mann, der bereits bezahlt hatte, warf einen kurzen Blick zu Sophia hinüber, die an der Theke stand und ungeduldig darauf wartete, dass sie endlich gingen. In seinem Blick lag unverhohlene Schadenfreude, als hätte er genau erkannt, wie sehr sie dieser Moment innerlich zu Weißglut brachte. <Verdammt nochmal, was soll das?> fluchte Sophia innerlich, während ihre Unruhe wuchs. Sie wollte endlich weg, doch die Zeit schlich unerbittlich voran. Es wurde immer später, und ihr Gedulsfaden war längst gerissen. Sie hatte genug von diesen selbstgefälligen Idioten, die keinen Funken Respekt zeigten und dachten, nur weil sie zahlten, könnten sie sich aufführen, als gehörte ihnen der Laden. So nicht, da habe sie sich mit der falschen angelegt. Dachte sich Sophia, sie ging langsam zum Tablet, das sich an der Theke befand, und machte die Musik aus. Es war nur noch die Stimmen von den Herren und der Regen, der gegen die Fenster schlug, zu hören. Sophia zog alle Register und begann lauthals zu singen. Den Text kannte sie kaum. das meiste summte sie laut, aber den Refrain schmetterte sie umso lauter: < Time to say Goodby Paesi che non ho mai …>man könnte das Lied kaum erkennen. Wer das Original kannte, könnte erahnen, dass es von Andrea Bocelli war. Es war grauenvoll sie traf kaum einen Ton, das war ihr aber in diesen Moment egal. Im Gegenteil, jetzt erst recht! Inbrünstig sang sie immer lauter. Die Gäste starrten Sophia fassungslos an, wussten aber dass sie sich geschlagen geben mussten. Sophia sang so lange bis die Gäste endlich vom Tisch aufstanden und Richtung Ausgang gingen. An der Tür wartete sie bereits auf die Gäste, überreichte ihnen ihre Jacken, lächelte bittersüß und sagte voller Sarkasmus: „Einen schönen Tag noch und weiterhin gute Geschäfte. Gut können die ja nicht laufen, bei dem Trinkgeld.“ Bevor die Herren noch etwas erwidern konnten, schloss sie die Tür und drehte den Schlüssel um.  Den Tisch wurde sie später abräumen. Die ersten Reservierungen kamen erst um 19.00 Uhr. Dafür hatte sie später auch noch Zeit. Sophia wollte nur noch schnell in die Pause, wenigsten schnell noch was essen. Sie hatte sehr großen Hunger sie holte nur noch ihre Tasche von unten. Es war bereits kurz nach 16:00 Uhr viel Zeit hatte sie nicht mehr bis die nächste Schicht um 18:00 Uhr beginnt. Ihr blieb nichts anderes übrig, es war nur noch Zeit zu Simone in Café zu gehen. Da es immer noch stark regnete, rannte sie schnell über die Straße zum Café. Im Café zog sie schnell ihre nasse Jacke aus und schaute sich kurz um. Simone stand hinter der Glasvitrine und Bediente gerade Gäste. Die riesige Glasvitrine war gleich das erste was man sah, wenn man durch den Eingang ging. Darin waren von Salaten, Gemüse Bowls, belegten Broten viele kleine Snacks zum Mittag zu finden. Vieler der Gäste nahm sich was zum Mittag mit. Dahinter befand sich auch gleich der kleine Arbeitsbereich mit der Kaffeemaschine und einen kleinen Guckfester wo sich dahinter die Küche befand. Rechts neben der Vitrine waren 6 Tisch die schon alle besetzt waren. Es war schon sehr voll und eng. Für Simone war es schon manchmal Schwierig sich durch zu schlängeln, vor allen, wenn alle Tische besetzt waren. Links von der Vitrine ging eine kleine Stufe nach oben. Die zu einem kleinen Raum führte. Wo noch drei weiteren Tischen mit abgefetzten Couchen und Sesseln standen. Nichts passte zueinander. Der Raum war eng, dafür aber sehr gemütlich. Sophia hatte sich von Anfang an hier wohlgefühlt. Simone war leicht im Stress, sie war gerade dabei, für einen Gast einen Kaffee zu machen, erblickte aber sofort Sophia. < Du wolltest doch heute nicht mehr kommen, hast mich wohl vermisst> rief Simone ihr entgehen. Sophia ging die kleine Stufe nach oben, um zu schauen, ob noch ein Platz frei war. Schaute dabei Simone an und verdrehte nur müde die Augen und versuchte dabei zu lächeln < wie so oft, Gäste, die einfach nicht gehen wollten. Ich setze mich nach oben. Bringst du mir biiiiitte das übliche!> diesmal verdrehte Simone die Augen <Aber nur, weil es so aussieht, als würdest du es brauchen. Ich bin gleich bei dir.> Hörte sie Simone noch sagen. Sophia schickte ihr dankbar einen Luftkuss zu und ging nach oben. Diesmal hatte Sophia etwas Glück, einer der drei Tische war frei, sogar ihr Lieblingsplatz. Der mit dem abgewetzten Sessel und dem kleinen Tisch davor. Da saß sie am liebsten. Sie kuschelt sich sofort ein, packt ihr Buch aus und fing sofort an zu lesen. Sie wollte eintauchen in die Geschichte und wenigstens für eine Stunde alles um sich herum vergessen. Viel Zeit ist ihr nicht mehr geblieben. Bis Sophia wieder herübermusste in die Hölle. Sophia wusste nicht, wie lange sie bereits gelesen hatte, als sie kurz hochschreckte. Sie erkannte Simone, die ihr eine Maracujaschorle und ihr Essen brachte. < Na meine Süße, hat der Mistkerl sich wieder verkrochen und dich mit allen alleine gelassen. Dass er nicht mal die letzten Gäste übernimmt, damit du pünktlich in die Pause gehen kannst. > Simone klang erzürnt. <Du weißt doch, wieder ist. Er ist Chef und als Chef muss man nichts machen, das ist seine Einstellung.> Was sollte Sophia noch dazu sagen. Sie hatte sich schon lange damit abgefunden. Simone regte sich auf, sie könnte es nicht verstehen. <Ach ja, dann mach’ ich was anscheinend falsch. Ich bin hier der Chef und arbeite wie eine Bekloppte. Man muss auch nicht die Gutmütigkeit der Mitarbeiter ausnutzen, wie er das tut.> Sophia schaute Simone erschöpft an. < nicht jeder ist wie du. Es wäre schön, wenn mehrere Chefs deine Einstellung hätten.> Simone könnte sich nicht

berühigen. <Ich weiß, wie das ist, ich habe für genügend Idioten gearbeitet. Weshalb, denkst du, habe ich mich selbstständig gemacht, das ist das Beste, was mir passieren könnte. Simone wechselte das Thema und seufzte traurig. < Ach, wenn ich könnte, würde ich dir so gern helfen.> Sophia sah Simone verständlich an. <Du weißt doch, der Job im Restaurant ist nur eine Zwischenlösung. Für immer will ich auch nicht in der Gastronomie bleiben. Nur noch ein Jahr, dann habe ich es geschafft. Dann hat die Schufterei ein Ende. Sophia klang entschlossen, als sie das sagte. Es würde sie auch keiner abbringen von ihren Vorhaben. Obwohl, Sophia erst nur als Gast zu Simone ins Café herüberkam. Sind beide Mittel mittlerweile gute Freunde geworden. Simone kannte nicht alle Gründe, weshalb Sophia dieses Jahr noch durchhalten wollte. Aber sie war klug genug zu verstehen, dass es einen triftigen Grund gab, warum Sophia vier Jahre schon bei Paul durch haushielt. Auch wenn beide nicht viel Zeit hatten, trafen sie sich auch privat miteinander. Gelegentlich half Sophia bei Simone aus, wenn Not an Mann war. Das extra Geld könnte Sophia immer gut gebrauchen. Simone hatte sich ihren Traum von eigenem Café erfüllt; sie liebte ihr Café und steckte all ihre Zeit und Herzblut rein. Da war kein Platz für einen Mann, nicht, dass es keine Interessenten gab; davon gab es viele. Doch aufgrund des Zeitmangels zeigte kaum jemand Verständnis, und keiner von Ihnen hielt lange durch. Simone ist bereits 38. Aber ihr Wesen war das von einer 28-Jährigen. Simone hatte immer gute Laune, was sie sehr attraktiv machte. Ihre langen rötlichen Locken zähmte sie meist mit einem strengen Zopf. Simone ist etwa einen Kopf größer als Sophia und hatte schöne weibliche Rundungen. Das Lachen von Simone war sehr ansteckend. Sophia möchte diesen lachen, sie hatten sich sofort gut verstanden, sie war froh, Simone als Freundin zu haben. <Ich will dich auch nicht weiter stören. Bevor dein Essen noch kalt wird. >Simone verdrehte immer die Augen, wenn Sophia das Essen bestellte.> Ich kann gar nicht verstehen, dass das dein Lieblingsessen sein soll.>Du bist selbst daran schuld, du machst es einfach zu lecker >, wie Sophia das sagte, steckte sich genüsslich eine Pommes in den Mund. <Danke für die nette Lüge> und glaubte Sophia kein Wort. <was ist daran schwierig, jeder Affe könnte das zubereiten. Das sind nur Pommes mit Spiegeleiern. Ich bin nur die Einzige, die es dir zubereitet> Zeigte dabei skeptisch auf das Essen. < Warum isst du kein Bauernfrühstück, da hättest du wenigstens Speck und noch eine Essiggurke dabei?> <das wäre nicht dasselbe, außerdem brauche ich heute besonders dieses Essen. Es ruft Glücksgefühle in mir hoch und viele schöne Erinnerungen.> Als Sophia das sagte, hoffte sie inständig, dass dieses Gefühl in ihr aufkommen würde. <Na dann, lass es dir schmecken> Simone ging zum nächsten Tisch, räumte in ab und begrüßte einen neuen Gast. Sophia bekam davon nichts mehr mit, sie hatte sich wieder in ihr Buch vertieft und aß nebenbei ihre Pommes mit Spiegelei. Gelegentlich schweiften ihre Gedanken ab. Jedes Mal, wenn sie einen Bissen nahm, kamen ihr die Erinnerungen. An ihre Studienzeit, die sie in Madrid verbrachte. In Madrid hatte sie das Gericht lieben gelernt, nicht nur, weil es eine günstige Mahlzeit war. Es war für seine Schlichtheit für sie perfekt. Es war auch das Essen, das sie am meisten an diese Zeit erinnerte. Sophia aß noch schnell den letzten Bissen auf. Sie wollte unbedingt das Kapitel zu Ende lesen. Sie widmete sich wieder ihrem Buch und war sofort in der Geschichte vertieft. Was um sie herum passierte, bemerkte sie nicht. Sophia bemerkte nicht einmal, dass ein junger Mann plötzlich vor ihr stand und sie ansprach. Der junge Mann tippte auf ihr Buch. Sophia wurde so plötzlich aus der Geschichte vom Buch herausgerissen. Im ersten Moment war sie so verdutzt und verärgert, dass sie nur aufblicken konnte und fragte, wer es gewagt hatte, sie beim Lesen zu stören. Vor ihr stand ein großer, schlaksiger junger Mann, der sie freundlich anlächelte - für Sophia Geschmack etwas zu breit. Seine Haare waren ihr zu kurz geschnitten, fast wie bei einem Soldaten. Dennoch war er kein schlecht aussehender Mann, vielleicht um die 25 Jahre alt, wenn Sophia es hätte schätzen müssen. Seine blasse Haut minderte seine Attraktivität keineswegs. Sein Kleidungsstil entsprach dem seiner Generation: eng sitzende Jeans und ein bedrucktes T-Shirt. Dazu trug er eine Strickjacke, die für den heutigen kühlen Tag fast zu leicht war. Vermutlich war auch er vom Regen überrascht worden. <Entschuldigung> sagte er höflich, bevor er weitersprechen konnte, unterbrach Sophia in Forsch. <Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast; ich versuche hier in Ruhe mein Buch zu lesen. Sehe ich danach aus, ob ich angesprochen werden will, was fällt dir ein? Zugegeben, Sophia war nicht sehr freundlich, sie stand noch unter Schock. Der junge Mann hatte Sophia voll kommen überrascht. Da half ihm auch nicht sein gutes Aussehen. Er wollte gerade noch einmal ansetzen, um was zu sagen, da unterbrach sie ihn nochmals, Sophia ließ ihn nicht zu Wort kommen. <Hör zu, du scheinst ein ganz netter Kerl zu sein. Aber ich habe keine Lust auf Konversation, wie gesagt, ich bin hier nur zum Lesen, sagte sie etwas sanfter, sah ihn aber weiter unfreundlich an. Der junge Mann sah sie etwas erstaunt an, drehte sich um und ging. Erleichtert atmete Sophia tief durch, schaute auf die Uhr. Sie hatte nur 20 Minuten, dann fängt die zweite Schicht an. Sophia müsste sich etwas beruhigen, trank ein Schluck Maracujaschorle, nahm ihr Buch und las weiter. Es waren 10 bis 15 Min. vergangen, da stand der junge Mann wieder vor ihr. Er hielt einen blauen Notizblock in der Hand. In der Größe eines DIN A5. < Ließ das bitte>, sagte er schnell, bevor Sophia irgendetwas sagen konnte und legte den Notizblock auf den Tisch. Er ging, ohne abzuwarten oder sich nochmals umzudrehen, zur Tür raus. Damit hatte Sophia nicht gerechnet; leicht zögert, nahm sie den Notizblock vom Tisch und schlug die Seite auf und begann zu lesen.

 

Hallo Unbekannte,

ich wollte dich nicht anmachen. Ich saß dir gegenüber auf der Couch und hatte dich eine Weile beobachtet. Ich fand es erstaunlich und beeindruckend zugleich, wie ein Mensch beim Lesen alles um sich herum ausblenden und dabei so friedlich aussehen kann. Ich wollte dich nicht belästigen, sondern nur wissen, welches Buch du liest. Es muss sehr lustig sein, weil du beim Lesen immer wieder gelächelt hast. Das soll auch keine Masche sein, um dich anzusprechen. Ich weiß, es ist schwer vorzustellen, es gibt auch junge Männer, die gerne lesen und nicht nur vor einer Spielkonsole ihre Zeit verbringen. Das letzte Buch, was ich gelesen habe, war von Nick Hornby A Long way down. Wenn du es bisher nicht gelesen hast, kann ich es dir empfehlen. Es hat zeitweise auch ganz lustige Passagen. Wie du siehst, bin ich für ein gutes Buch immer zu haben und riskiere sogar angeschnauzt zu werden. Ich würde mich freuen, wenn du den Titel des Buches hier in diesen Notizblock schreibst. Wenn du möchtest, auch gerne noch was über dich oder zumindest dein Name. Du kannst den Notizblock gerne der netten Bedienung geben; ich hole es bei ihr ab.

Hoffe, von dir zu hören.

Gruß David


Als Sophia den Notizblock zuklappte. War ihr die Situation unangenehm. Könnte aber auch nicht weiter darüber nachdenken. Sophia sah auf die Uhr, sie hatte komplett die Zeit vergessen. <Verdammt, nur noch eine Minute>; dachte sie sich. Sie sprang von Sessel auf, nahm schnell ihr Buch und den Notizblock, warf es in ihre Tasche, ließ noch schnell das Geld für Simone auf dem Tisch liegen. Beim Herausgehen verabschiedete sie sich noch von Simone.

Müde schloss Sophia die Tür zu ihrer Wohnung auf. Sie macht das Licht an und das Erste, was Sophia sah, war die Wäsche, die sie heute waschen wollte. Sie hatte die Wäsche extra mitten in den Flur gelegt. Damit sie es sofort erledigte. Sophia stieg über die Wäsche, ging ins Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch fallen. Der Tag war sehr stressig und die Gäste und Paul waren mal wieder sehr anstrengend. Sophia saß etwa 10 Minuten erst mal nur da. Nicht mal den Fernseher wollte sie anmachen, um herunterzukommen. Sie sah sich kurz um, überlegte, was sie morgen alles zu erledigen hatte. Die Wohnung war nicht besonders groß, sie hatte nur eine Einzimmerwohnung. Das Schlafzimmer war gleichzeitig das Wohnzimmer. Es ist sehr minimalistisch eingerichtet. Ein Tisch, eine Couch, ein Bett und der Kleiderschrank bestanden aus einer Stange, wo ihre Kleidung hinter einem Vorhang versteckt hing. Ihr Lieblingsplatz war die Küche. Die Küche war größer, da hatte sie auch Platz für einen Esstisch, wo sie jeden Morgen frühstückte. Dafür war das Bad etwas zu klein. Es gab nur eine Dusche, für eine Badewanne wäre kein Platz gewesen. Sophia war zufrieden mit ihrer kleinen Wohnung. Sie hatte alles, was sie brauchte. Es ist wieder spät geworden, sie wollte nur noch ins Bett. Sie hatte sich gerade für das Bett fertig gemacht, da fiel ihr der Notizblock in ihrer Tasche wieder ein. Sophia holte sich den Notizblock aus ihrer Tasche, nahm es mit ins Bett und las nochmals die Nachricht. Immer noch peinlich berührt, wusste sie nicht, ob sie David zurückschreiben wollte. <Chapeau> dachte sich Sophia. Das musste man David lassen, originell war ja die Idee mit dem Notizblock. Aber Sophia war viel zu müde, sie überlegte, was sie antworten sollte; es wollte ihr kein vernünftiger Satz einfallen. Sie war viel zu erschöpft. Wie sie so überlegte, schlief Sophia auch schon ein. Mit dem Notizbuch auf der Brust. Mitten in der Nacht wachte Sophia auf. Der Notizblock stach ihr gegen die Brust, als sie sich im Bett drehte. Dadurch wurde sie wach. Schlaftrunken legte sie den Notizblock neben sich ans Bett. Sie wollte wieder einschlafen. Sie drehte sich noch einige Mal im Bett herum. Der Notizblock ging ihr jetzt nicht mehr aus dem Kopf. Sie schaute auf ihren Wecker, es waren noch vier Stunden, bis der Wecker klingeln würde. Ach was soll, dachte sie, stand auf, nahm den Block, holte sich noch einen Stift, etwas schläfrig fing sie anzuschreiben.

 

Hallo David,

das Buch heißt die Herzensbrecherin. Es ist ein Frauenroman, ich glaube, das ist eher nichts für dich. Das ist auch leider nicht so zu empfehlen. Mir gefiel der Titel, deshalb habe ich es gekauft. Warum ich gelächelt habe, war nicht wegen des Buches. Ich hatte mich an was erinnert. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, was ich dir sonst noch schreiben könnte. Ich heiße Sophia, bin Kellnerin und hasse meinen Job. Die meiste Zeit arbeite ich. Mein Alltag besteht im Moment nur aus Arbeiten und Schlafen. Die wenige Zeit, die mir bleibt. Nutze ich zu lesen. Um etwas Ruhe zu haben, ein wenig dem Alltagsstress zu entfliehen. Leider hat man als Kellner oft sehr stressige Tage. Heute war einer dieser Tage. Deswegen wollte ich nur noch meine Ruhe. Das soll keine Entschuldigung sein, du hast es nur leider abbekommen. Es gibt wirklich nicht viel Interessantes zu erzählen von mir. Danke für deine Empfehlung. Das Buch werde ich bestimmt mal lesen.

Mach's gut, Sophia.


Sie legte dem Notizblock weg, ohne es sich noch einmal durchzulesen. Zu mehr war sie nicht mehr in der Lage. Der Tag war einfach nur anstrengend gewesen. Mit einem Schwung schlug sie die Decke über Kopf und schlief sofort wieder ein. Bis der Wecker um 8 Uhr klingelte. Es war wie jeden Morgen, immer dasselbe Spiel, Sophia stand nie sofort auf, wen der Wecker klingelte. Sie haute noch fünfmal auf die Schlummer-Taste, bis Sophia aufstand. Bis dahin war gut eine halbe Stunde vergangen. Erst mal ein Kaffee dachte sie schläfrig, während sie in die Küche schlurfte. Mit geübten Bewegungen schob sie das Sieb unter die Kaffeemühle und mahlte die frischen Bohnen. Ihre Wohnung war schlicht, es gab nicht viel Luxus, kaum Persönliches – aber auf einen guten Kaffee wollte sie nicht verzichten. Ohne groß nachzudenken hatte sie sich damals die schicke Kaffeemaschine und eine Mühle dazu gekauft. Jeden Morgen das vertraute Geräusch der Mühle – Sophia schloss die Augen, und für einen kurzen Moment wurde sie zurück nach Madrid versetzt. Sie konnte den Duft er Stadt am Morgen fast riechen, den Lärm und das Treiben hören. In Gedanken war sie wieder in dem kleinen Café, wo sie jeden Morgen frühstückte. Diese Erinnerungen zauberten ein Lächeln auf ihre Lippen und weckten sie sanft auf. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand ließ sie sich am Küchentisch nieder und gab sich für einen Augenblick ihren Tagträumen hin. Sophia musste sich von ihren Tagträumen lösen sonst würde sie wieder den ganzen Tag vertrödeln. Es war bereits kurz vor neun. Sicher, sie hätte noch weiterschlafen können. Was Sophia auch gutgetan hätte, die ganze Woche steckte ihr noch in den Knochen. Sophia brauchte die Zeit, um sich mental vorzubereiten. Bevor sie zur Arbeit ging. So könnte sie noch ein paar Dinge erledigen, bis sie in die Arbeit musste. Meistens fing Sophia um 11:00 Uhr an. Es ist nur Mittel zum Zweck, um schnell Geld zu verdienen. So redete sie es sich jeden Morgen ein. Es war noch genügt Zeit, um zu Frühstücken und sich in Ruhe fertigen zu machen. Als sie sich fertig angezogen hatte. Nahm sie sich ihren Geldbeutel vor und zählte ihr Trinkgeld von gestrigem Abend. Nicht schlecht, abgesehen von den Mittag-Gästen, die einem fast gar nichts gegeben haben. Worüber sich Sophia immer noch ein wenig ärgerte. Dafür hatte sie gestern Abend doch noch ein ordentliches Trinkgeld gemacht. Müsste sie nicht noch, was von ihrem Trinkgeld abgeben, wären es noch mehr gewesen. Aber darüber wollte sie nicht weiter nachdenken. Heute war Freitag, sie überlegte, ob sie das Geld heute noch zur Bank bringen sollte. Etwas Zeit hatte sie noch. Entschied sich dafür, es doch wie immer am Montag zur Bank zubringen. Sie hatte sich fertig gemacht und wollte noch etwas fernsehen. Als sie den Block auf dem Tisch liegen sah. Sie überlegte nicht lange, packte alles zusammen, nahm ihre Jacke und die Tasche und fuhr mit ihrem Fahrrad zu Simone ins Café. Sophia brauchte nicht lange, bis sie da war. Sie wohnte im Nikolaiviertel und bis zum Café war es nur ein kurzer Weg mit dem Fahrrad. Sophia schloss ihr Fahrrad sorgfältig ab. In Berlin wird schließlich selbst das hässlichste Fahrrad gestohlen. Was Sophia auf gar keinen Fall wollte, ist sich ein neues Fahrrad kaufen zu müssen. Ihr Fahrrad war ihr ganzer Stolz. Der sie bewahrte, mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren und sie zuverlässig nach A und B brachte. Sophia eilte schnell über die Straße und ging rüber zum Café. Simone war schon da wie immer fleißig. Bediente die ersten Frühstücksgäste. Als Sophia durch die Tür kam, schaute Simone sie verdutzt an. <Was machst, du schon hier ist deine Kaffeemaschine kaputt oder was treibt dich so früh hier her. > <Nein, mal den Teufel nicht an die Wand, meine Kaffeemaschine funktioniert Einwand frei. Ich muss gleich Anfangen, ich wollte dir diesen Notizblock noch geben. Gestern Nachmittag war ein junger Mann, da er hatte mir den Notizblock gegeben und hatte etwas hineingeschrieben. Er wollte, dass ich es bei dir wieder abgebe>. Erzählte Sophia beiläufig, während, sie in ihrer Tasche nach dem Block suchte. <Ein junger Mann, wie hat er ausgesehen?> fragte Simone sofort neugierig. <Er war riesig, etwas schlaksig, sah aber sportlich aus. Wie Sophia so überlegt erinnerte sie sich wieder an seine Augen, er hat große blaue Augen. Sie versuchte den jungen Mann so gut wie möglich zu beschreiben, könnte aber leider nicht sagen, welche Haarfarbe er hatte, weil diese sehr kurz waren. <Ach ja er heißt David, sollte er kommen, würdest du so lieb sein, ihn den Notizblock wieder geben> fragte Sophia und gab ihr den Block. <Nach deiner Beschreibung scheint er kein Stammgast zu sein – und ehrlich gesagt, an so einen jungen Kerl kann ich mich auch nicht erinnern. Wahrscheinlich ist er einer dieser Milchbubis, den schenke ich kaum Beachtung. Gestern war allerdings auch die Hölle los zur Mittagszeit, da könnte selbst Gorge Clooney reingekommen sein, und ich hätte es nicht bemerkt. Hast du was hineingeschrieben? < Simone, fragte beiläufig, sie wollte nicht zu neugierig klingen und lächelte dabei vielsagend. <So, so George Clooney wäre dir nicht aufgefallen, wenn er in dein Bescheidens Café reingeschaut hätte?><Lenk nicht ab, hast du?><Was glaubst du> Sophia lächelte dabei, sie liebte es Simone auf die Folter zu spannen. Weil Simone immer so neugierig ist. < Ohhhhh…mach’ ich, wenn er kommt gib ich ihn den Block. Jetzt bin ich richtig neugierig auf den jungen Mann. Hoffe, er lässt nicht lange auf sich warten. > <Ich muss dich enttäuschen. Alles ganz harmlos, er wollte nur wissen, was ich gerade lese> und schüttelte den Kopf über Simone. <Hast du noch Zeit für einen Kaffee oder muss du schon in die Hölle?> fragte Simone < Ein paar Minuten, habe ich noch gib mir lieber bitte ein Wasser> Sophia ließ sich an einem freien Tisch nieder. „Habt ihr viele Reservierungen heute?“ fragte Simone und stellte ihr ein Glas Wasser hin. „Ach, es geht so. Bei meinem Glück kommen bestimmt wieder viele Walk-ins.“ Das waren die Gäste ohne Reservierung, meist immer in letzter Minute auftauchten und Sophia nervten. Simone verzog das Gesicht. „Hier ist ohnehin ein ständiges Kommen und Gehen, aber es macht mich wahnsinnig, dass die Gäste sich immer an den einzigen Tisch setzen, der nicht abgeräumt ist. Da können alle anderen Tische blitzblank sein, aber nein, sie wählen den dreckigen. Soll das einer verstehen? Warum ist das so? Das soll mir mal einer erklären. „Sophia konnte Simone nur zustimmen. Angestachelt von dem Thema, erzählte sie lebhaft von ihren Erlebnissen mit den Gästen. „Sag nichts, ich könnte auch ein Buch darüberschreiben. Oder wie sie einfach durch das Restaurant marschieren, als wären sie in einer Bahnhofshalle. Können die Gäste nicht so lange warten, bis man sie platziert? Wie du weißt, haben wir keine Reservierungsschilder, weil Paul die nicht mag. Wir sollen die Gäste in Empfang nehmen und zum Tisch begleiten. Ob das immer am Mittag geht, wenn viel los ist? Gott bewahre, dass mir irgendetwas jemals das Leben erleichtern würde – wo bliebe da der Spaß? Nein, lasst es nur schön kompliziert machen. Schließlich bin ja ich diejenige der es ausbaden darf, währen Paul sich seelenruhig um die unwichtigen Dinge kümmert, nur nicht um die Gäste. Das wäre ja auch zu viel verlangt. Wenn du den Gästen dann sagst, dass der Tisch reserviert ist, bekommst du noch eine blöde Antwort: ‚Warum, hier ist doch gerade leer.‘ Dann soll man auch noch freundlich bleiben. Ja, es ist zwar momentan leer, aber die Gäste kommen in einer halben Stunde. Manche möchten dann wirklich, dass ich den reservierten den Gästen einen anderen Tisch gebe. Meistens sage ich dann, dass das hier ein Restaurant ist und keine Kneipe und es nett gewesen wäre, wenn sie gewartet hätten, bis das Servicepersonal sie zu einem Tisch bringt. Dann müsste ich jetzt keine sinnlose Diskussion führen und könnte schon die Getränke aufnehmen. Statt einsichtig zu sein, sind die meisten Gäste beleidigt und gehen. Was mir dann auch egal ist, solche Gäste möchte ich sowieso nicht bedienen. “Du sagst es,“ stimmte Simone ihr nickend zu. Sophia seufzte. „Es wird bestimmt wieder ein stressiger Tag, dafür wird Paul schon sorgen. Ich kann nur hoffen, dass der Tag schnell endet. Und bei dir? Wie läuft es so?“ fragte Sophia. <Bei mir ist alles wie gehabt, ich kann mich nicht beklagen. Morgen mache ich mal frei. Ich habe mir eine neue Aushilfe dazu geholt für Freitag und Samstag. Sonntag ist zu, somit habe ich mal wieder ein Wochenende für mich. Du hast meine neue Aushilfe bisher nicht kennengelernt. Sie ist wirklich perfekt. Sie lernt schnell und es scheint ihr auch Spaß zu machen. Du weißt ja selbst, wie schwer es ist, gute und zuverlässige Aushilfen zu finden. Aber bei ihr, habe ich ein gutes Gefühl. Sie studiert und ist dafür nach Berlin gezogen. Mit Mike wird sie das schon schaffen> Mike war die gute Seele des Cafés, von Anfang an dabei. Viermal die Woche steht er hinter der Theke, als unverzichtbare Teilzeitkraft, die das Herz des Ladens am Schlagen hält. < Das Freud mich für dich, so kannst du mal wieder frei machen. Wie lange ist das her, dass du ein ganzes Wochenende für dich hattest, > wollte Sophia wissen < Viel zu lange, viel zu lange, obwohl ich mein Café liebe, freue ich mich riesig drauf. Ich fahre morgen zu einem Spa und lass mich den ganzen Tag verwöhnen. Das ganze Wohlfühl - Paket. > die Vorfreude sah man Simone an. < Du glückliche genieß es, ich würde so gerne mit> sagte Sophia leicht sehnsüchtig. "Komm doch mit, nimm dir frei; dieser Nichtsnutz soll auch mal arbeiten, er macht doch nie etwas. Alles bleibt an dir hängen", sagte Simone, die Paul immer nur als Nichtsnutz bezeichnete. "Ich würde mich freuen, das weißt du. Ein Wochenende im Spa würde dir auch guttun", fügte Simone mit Nachdruck hinzu. "Ja, ich weiß, aber ich kann nicht. Das ist ein wenig zu kurzfristig. Vielleicht das nächste Mal", erwiderte Sophia traurig, sich aber für Simone Freude das sie das Wochenende frei hatte. Sie wechselte schnell das Thema. „Ich muss los, ich wünsche dir ein super entspanntes Wochenende. Sie bezahlte, trank aus, verabschiedete sich und rannte über die Straße und ging zur Arbeit.

 

Diesmal hatte Sophia kein Glück; sie konnte weder nach Hause noch ins Café gehen, da sie durchgehend arbeiten musste. Ihre Laune war dementsprechend am Boden. Sophia war richtig wütend auf Paul und konnte sich kaum beruhigen. Er wusste das und ließ sie deshalb heute in Ruhe und war übertrieben freundlich zu ihr. Sophia sprach nur das Nötigste mit Paul. Heute würde sie früher gehen, egal, was er dazu sagen würde, nachdem, was er sich heute wieder geleistet hatte. Die Gäste würde sie noch bedienen, aber das Aufräumen sollten Paul und Lucy übernehmen. Dazu hatte sie keine Lust mehr. Sophia wollte nur noch nach Hause. Sie stand gerade an der Theke und wartete auf die Getränke, als sie bemerkte, dass Simone vor dem großen Schaufenster stand. Simone winkte ihr aufgeregt zu und signalisierte, dass sie schnell kommen sollte. Sophia gab ihr ein Zeichen, dass sie gleichkommen würde. Es war 20:30 Uhr; um 20:00 Uhr schließt Simone ihr Café. Sie fragte sich, warum Simone plötzlich herüberkam – normalerweise hielt Sie Abstand. Simone mochte weder Paul noch Lucy, deshalb würde sie aus diesem Grund das Restaurant nie betreten. Doch leider entging auch Lucy nicht, dass Simone am Fenster auftauchte. Lucy war hinter der Theke und versuchte, die Bestellungen abzuarbeiten. Plötzlich sagte Lucy laut: "Was macht die Rothaarige von gegenüber hier? Will sie zu dir?" Sie schaute Sophia herausfordernd an und setzte noch einen drauf: <du kannst jetzt keine Pause machen. Du bist schließlich hier um zu Arbeiten nicht zu quatschen> grinste dabei, schaute Paul an und meinte einen guten Witz gemacht zu haben. Paul sah Lucy an gab ihr mit einem Blick zu verstehen, dass sie die Klappe halten sollte. Lucy verging sofort ihr blödes grinsen, tat so ob sie den Tresen wischte. Paul sah Sophia etwas entschuldigend an. < Sophia ich mach weiter, mach kurz Pause> sagte er knapp. Sophia war überrascht das kannte sie von Paul gar nicht. Hatte er wirklich ein schlechtes Gewissen. Sophia ging zu Simone raus. <Hey was machst du hier ist was passiert. Kommt deine neue Aushilfe morgen nicht. Soll ich die Frühschicht übernehmen. Damit dein Spa Wochenende nicht ins Wasser fällt.> fragte Sophia aufgeregt. <Meine gute, nein, nein alles gut alles gut. Was du immer denkst Simone schaute Sophia etwas perplex an. Simone fing leicht das tänzeln an < er war da, er war dahaa. Simone grinste vor sich hin, sie war ganz aufgeregt. <Wer war da< Sophia wusste erst nicht von wem Simone sprach> < Na, David der junge Mann mit dem Notizblock> Simone stupste leicht genervt Sophia an, weil Sophia zu begriff stutzig war. Simone erzählte aufgeregt weiter <Er kam gleich auf mich zu und fragte, ob ich einen Notizblock für ihn hätte und stellte sich vor……………Ich habe ihn den Notizblock gegeben wie du mir gesagt hast. Er hat sofort Platzt genommen und was in den Block geschrieben. Er bat mich dir den Notizblock wieder zurückgeben. Du warst heute Mittag nicht da. Morgen bin ich nicht da. Ich wollte dir den Notizblock unbedingt noch schnell vorbei bringen>. Simone sprach ohne einmal Luft zu holen, so aufgeregt war sie. Gab Sophia den Notizblock und lächelte breit. < oh la la was für ein heißer Typ> Er war wirklich sehr nett und sehr höflich. Leider etwas zu jung für mich. Aber für dich wäre er was> Lachte dabei laut auf. Den Kommentar könnte sich Simone nicht verkneifen. Sie schien völlig entzückt von David zu sein. <Das könnte nicht bis Montag warten?> fragte Sophia etwas verständnislos. <Nein das kann es nicht> sagte Simone und war entsetzt das Sophia so reagierte <Ok…> Sophia schaute sie erstaunt an. < Simone wirklich……. du versucht es immer wieder> Seit sie Simone kannte, wollte sie Sophia immer verkuppeln. Dabei wusste Simone doch, dass sie gehen wird. Daran wird auch kein Mann was ändern. Nach all den Jahren gab Simone anschneidet die Hoffnung nicht auf. Sophia war Simone nicht mal böse sie musste schon fast darüber lachen, bei den vielen versuchen die Simones jedes Mal veranstaltete um Sophia zu verkuppeln. Es war vielen Männer mit denen Simone sie zusammenbringen wollte. Mehr als ein Techtel-mechtel würde nie draus. Sophia war schließlich auch kein Kind von Traurigkeit. Auch hatte sie nicht damit gerechnet, dass David ihr nochmal zurückschrieb. Sie hatte nicht viel von sich geschrieben und gerade höflich war sie auch nicht zu ihm. Sophia schaute ins Restaurant. <Ich muss leider weiter machen, wünsche dir für morgen einen erholsamen Tag> Sie umarmte Simone bevor sie rein ging und bedankte sich nochmal für das vorbeibringen. Als Sophia an der Theke vorbei ging. Bemerkte sie Lucys neugierige Blicke, Lucy schaute direkt auf den Block. Man sah es Lucy direkt an, dass sie wissen wollte was sich mit dem Notizblock auf sich hatte. Sophia bemerkte es und brachte den Notizblock sofort runter zu ihrem Spint. Steckte den Block tief in ihre Tasche. Ging nach oben und machte weiter ob nichts gewesen wäre.

 

Endlich Feierabend es waren alle Gäste gegangen. Es ist wieder Spät geworden Sophia machte Schnell noch die Abrechnung und zog sich um. Das Aufräumen überließ sie Paul und Lucy. Ohne sich diesmal zu verabschieden ging sie nachhause. Ihr war in diesen Moment egal, wie sie das Restaurant morgen vorfinden würde. Wahrscheinlich würde Paul nichts mehr aufräumen. Alles wird an ihr hängen bleiben. Darüber wollte sie nicht weiter nachdenken. Ich komme morgen etwas früher dacht sie sich. Samstag fing sie erst um 14.00 Uhr an da gab es kein Mittaggeschäft darüber war sie auch froh. Der Samstag würde meist dazu genützt um alles Mal gründlich sauber zu machen. Die Flaschen und Regale würden entstauben, die Managen aufgefüllt. Dinge zu den man während der Tage nicht kommt. Meist schlief Sophia Samstag aus. Ging dann Einkaufen für die Woche, weil sie während der Woche es nicht schaffte einkaufen zu gehen. Ihre ganze Woche war sehr durchgeplant. Für Hobbys blieb ihr auch keine Zeit. Nicht mal um in einen Fitness Studio zu gehen. Das Einzige was sie machte um sich fit zu halten, war mit dem Fahrrad zu fahren. Sophia fuhr überall hin, mit dem Fahrrad. Selten fuhr sie mit der U-Bahn, was sie auch nicht gern machte, weil sie meist überfüllt und Stickig ist. In Nächten wie diesen möchte sie es mit dem Fahrrad durch Berlin zu Fahren. Für eine Großstadt war die Luft sehr frisch gar nicht stickig. Während sie nachhause fuhr bekam sie einen klaren Kopf ließ nochmal den Tag Revue passieren. Angekommen trug sie ihr Fahrrad in den Keller. Es war ein kleiner Keller Abteil. Es war nichts weiter innen es würde auch nicht viel reinpassen mit dem Fahrrade. Vielleicht ein paar Kartons für mehr nicht. Sie müsste nicht weit hoch laufen sie wohnte in zweiten Stock. Sophia schloss die Tür auf, immer noch lag die Wäsche auf den Boden. <Sonntag erst Sonntag, dann bist du fällig, blöde Wäsche> fluchte sie leise vor sich hin. Endlich sitzen dachte sie sich zog sich ihre Schuhe aus ging zur Couch und saß erstmals nur da. Immer noch war sie Sauer auf Paul. Noch immer könnte sie sich nicht beruhigen. Vielleicht würde es ihr helfen, wenn sie liest, was David ihr geschrieben hatte. Sophia war nicht mal neugierig, sie brauchte nur einen anderen Gedanken. Ihre Tasche lag direkt neben ihr sie nahm den Notizblock schlug die Seite auf und fing an zu lesen.

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Hallo Sophia,

 also die Unbekannte trägt den Namen Sophia – er passt wirklich zu dir. "Die Herzensbrecherin", das ist ein interessanter Titel. Deine freundliche Zurückweisung hast du wohl diesem Buch entnommen. Du hast recht, das Buch ist nichts für mich. Trotzdem danke, dass du mir den Titel notiert hast. Du bist also Kellnerin, das ist sicher nicht leicht, besonders mit schwierigen Gästen. Es ist eine Herausforderung, dabei die Ruhe zu bewahren. Ein Notizblock ist eine vielversprechende Möglichkeit für dich, Dampf abzulassen, damit du in Zukunft nette junge Männer nicht anschnauzt und ihnen das Herz brichst. Ich schlage vor, wenn dir etwas auf die Nerven geht, schreib es hier in den Block. Da du kein Interesse hast und, wie du sagst, keine Zeit für ein Treffen, was auch nicht nötig ist, würde ich mich freuen, wieder von dir zu hören und deine Geschichten über die nervigen Gäste zu lesen. Den Notizblock werde ich bei Simone abholen.

 Bis bald, David


Trotz ihrer Erschöpfung von den Ereignissen des Tages konnte Sophia nicht schlafen, da sie immer noch verärgert über Paul war und ihren Ärger loswerden musste. Sie griff nach einem Stift und begann zu schreiben, wobei sie all ihre Gedanken und den gesamten Frust des Tages zu Papier brachte.


Hallo David,

dass du dich meldest, hätte ich nicht erwartet. Du musst wirklich langweile haben. Zu meiner Verteidigung des Buches es klang tatsächlich interessant. Und was die Herzen betrifft. Liegt es mir fern mir irgendwelche Tipps in einem Buch dafür zu holen. Dafür fehlt mir sowohl das Interesse als auch die Zeit. Was die nervigen Gäste betrifft hätte ich heute tatsächlich eine Geschichte für dich. Ich bin immer noch Fassungslos, wenn ich darüber nachdenke. Das schlimmste an meinem Job? Man muss zu den nervigen Gästen immer freundlich sein. Und glaube mir, es gibt mehr als genug von dieser Sorte – und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Hätte ich es selbst nicht erlebt würde ich es nicht glauben. Heute Mittag, kurz vor Küchenschluss, marschiert ein Stammkunde mit seiner Begleitung herein, Großkotzig wie er getan hatte. Wollte er natürlich Eindruck schinden bei seiner Begleitung. Als wäre das nicht schon nervig genug, tauchte auch noch Paul Edel auf – mein Chef, dieses verfluchte Arschloch, für das ich viel zu lange arbeite. Entschuldige die Wortwahl, aber irgendwie muss ich meinen Frust loswerden. Normalerweise hängt Paul um diese Zeit in sein Büro und versteckt sich, als hätte er eine Allergie gegen Arbeit. Jedenfalls begrüßte Paul den Gast sehr überschwänglich und nahm sogar die Bestellung auf. Anstatt nur einen Hauptgang zu verkaufen, da es kurz vor Küchenschluss war. Verkaufte er dem Gast noch drei Gänge, gab die Bestellung an die Küche weiter und verzog sich in sein Büro. Drei Gänge – ich konnte es kaum glauben, drei Gänge und er verschwindet einfach. Ohne mir die Chance zu geben. In die Pause zu gehen. Das Einzige was er noch sagte, dass er noch etwas erledigen muss. Wer`s glaubt! Am liebsten wäre ich gegangen, aber was hätte ich machen sollen? Du kannst dir nicht vorstellen, wie sie in der Küche durchgedreht sind. Alle außer Kai, dem Küchenchef und besten Freund von Paul, diesem alten Schleimer. Als ich in die Küche ging, um Brot für die Gäste zu schneiden, als wäre ich nicht schon genug verärgert, musste Kai, das Arschloch, auch noch seinen Kommentar loswerden. Wenn Blender nichts anderes können, müssen sie sich ja irgendwie hervorheben. Und bei Kai ist es die Kollegen nieder machen, nur um dafür gut dazu steht. Er grinste mich sau dumm an und meinte, ich könnte meine Pause jetzt wohl vergessen. Das er an mich denken würde, wenn er die Hauptgänge herausgeschickt hat und dann in die Pause geht. Als ob er wichtig wäre, ob er da ist – er spielt ohnehin nur mit seinem Handy herum. Die meiste Arbeit verrichtet Ronny und Alex, die wenigstens Kochen können. Von mir aus hätte er auch gleich gehen können, was ich Kai auch so gesagt habe. Da verging ihm das blöde Grinsen. Ronny und Alex mussten natürlich lachen, woraufhin er sich anschnauzte. Die beiden sollten nicht dumm lachen, sondern arbeiten. Der ging den ganzen Tag nicht mehr an sein Handy. Das die beiden von Kai angeschnauzt worden sind, wegen mir tat, mir im nach hinein Leid. Aber es kommt noch besser! Die Gäste hatten schnell die Vorspeise gegessen, da hatte ich kurz die Hoffnung das ich vielleicht doch noch Pause machen könnte. Wenigsten 1 Stunde. Paul war noch verschollen in seinem Büro. Die Chancen standen also nicht schlecht. Als ich den Hauptgang servierte, erschien Paul mit einer Flasche Wein aus seinem Büro, die er mit den Gästen teilen wollte. Er gesellte sich zu den Gästen und forderte mich auf, drei weitere Weingläser zu bringen. Die Zeit verging, und er veranlasste mich, noch eine Weinflasche zu öffnen, ohne ein Anzeichen zu machen, dass jetzt er sich um die Gäste weiterhin kümmert. Damit ich vielleicht doch noch etwas Pause machen könnte. Als die Gäste kurz vor 18:00 Uhr aufbrachen, hatte ich keine Chance auf eine Pause. Die nächsten Gäste kamen bereits um 18:30 Uhr. Mir blieb gerade noch so viel Zeit um mich kurz hinzusetzen und einen Kaffee zu trinken. Paul zog sich in sein Büro zurück, um seinen Rausch auszuschlafen, und tauchte erst kurz vor 20:00 Uhr wieder auf. Zu allem Überfluss musste ich anfangs auch noch mit Pauls, unausstehlicher Frau Lucy zusammenarbeiten. Sie ist keine große Hilfe – im Gegensatz zu Paul, der etwas hilfreicher ist als sie. Als aller Tisch weg waren. Bin ich einfach gegangen. Ich bin immer noch wütend auf Paul. Meine Tage verlaufen oft so oder ähnlich, und es bleibt mir kaum Zeit für mich selbst, um zu entspannen oder für ein Date. Aber es hat gutgetan, das alles mal niederzuschreiben. Danke dafür, sind das wirklich die Geschichten von mir die die hören möchtest.

Mach`s gut, Sophia


Sophia legte den Stift zur Seite. Sie hatte alles niedergeschrieben, was ihr heute auf der Seele lag. Sie musste sich eingestehen, dass es erleichternd war, den Frust auf Papier zu bringen. Entspannt saß sie auf der Couch, sah noch etwas fern und nickte dort ein. Mitten in der Nacht erwachte sie, ihr Magen meldete sich. Vor lauter Stress hatte sie das Essen vergessen. Sie ging zum Kühlschrank, belegte sich eine Scheibe Brot mit dem, was sie fand, und aß es schlaftrunken am Küchentisch. Danach ging sie sofort ins Bett und schlief bis 11 Uhr durch. Diesmal war die Zeit knapp. Sie wollte um 12:00 Uhr bei der Arbeit sein. Da sie nicht wusste, wie es im Restaurant aussah, wollte sie lieber in Ruhe alles vorbereiten. Mit etwas Glück war sie dort alleine. Es war 12:30 Uhr, als Sophia im Restaurant eintraf. Nur die Köche Ronny und Alex waren anwesend. Als Sophia vor vier Jahren ihre Arbeit im Restaurant begann, waren sie bereits dort. Sie waren auch an jenem peinlichen Tag da, als Sophia eingestellt wurde. Die beiden bereiteten gerade das Mise en Place für den Abend vor. Sophia betrat kurz die Küche. "Hallo Jungs, wie geht's, alles gut bei euch?" "Hallo Sophia, hast du Paul nach Feierabend noch zur Rede gestellt?" wollte Ronny wissen. "Es war mal wieder typisch für Paul, was er da abgezogen hat", sagte Ronny ruhig, aber fassungslos. "Sag nichts, Ronny, ich habe mich gerade beruhigt. Sonst rege ich mich wieder auf und gehe gleich wieder", erwiderte Sophia, die nicht an gestern erinnert werden wollte. "Dass du das aushältst, ich wäre an deiner Stelle hätte ich schon gekündigt", bemerkte Alex. Die beiden Köche fragten sich oft, warum Sophia nicht schon gekündigt hatte. „Die nächsten elf Monate werde ich auch noch durchstehen“, dachte Sophia. Sie warf Alex einen schrägen Blick zu. „Warum arbeitest du dann noch hier?“, wollte Sophia wissen. „Dir geht es doch auch nicht viel besser.“ „Ja genau, deshalb bin ich in einem Monat weg“, erwiderte Alex. Sophia ging zu ihm und umarmte ihn. „Hey, du glücklicher, ich wünsche dir alles Gute“, sagte sie und meinte es ehrlich. „Danke, Sophia. Sag bitte noch nichts, es wissen nur Ronny und du.“ „Von mir erfährt keiner was. Wo ist Kai, ist er krank?“, fragte Sophia und sah sich in der Küche um. Von Kai war keine Spur. „Keine Ahnung, er ist schon eine Stunde überfällig, das Arschloch“, sagte Ronny verärgert. Während des gesamten Gesprächs hatte Ronny kein Wort gesagt. Was im Restaurant passierte, interessierte ihn meistens nicht. Ronny war ein ruhiger, sehr konzentrierter Koch, außer wenn es um Kai ging. Ronny und Kai konnten sich nicht ausstehen. „Wir haben noch so viel zu tun, wir wissen nicht mal, wo wir anfangen sollen. Heute kommt ein neues Menü auf die Karte, und wer ist abwesend? Der Küchenchef. Toller Küchenchef“, schnaufte Ronny. „Die Hälfte ist bis jetzt nicht eingetroffen, wir können nichts richtig vorbereiten. Man kann ihn auch nicht auf dem Handy erreichen. Er wollte noch vorher einkaufen gehen. “Auf einem Samstag das Menü zu ändern, darauf kann nur der Idiot kommen. Er knetete gerade den Teig für das Brot und schlug dabei kräftig darauf ein, als er das sagte. Sophia erkannte, dass es jetzt besser wäre zu gehen, zumal Paul auch noch fehlte – worüber sie allerdings froh war. Als sie sich umsah, sah das Restaurant gar nicht so schlimm aus, wie sie befürchtet hatte. Alles war blitzblank poliert, nur die Tische mussten noch gedeckt werden. Sophia ging nach unten, um sich umzuziehen. Als sie wieder nach oben kam, trat gerade Kai durch die Tür. "Na, Mädchen, auch schon da?", meinte er lässig. "Du bist ja gestern auch früher gegangen. Da ist es nur angebracht, heute früher zu kommen." Sophia blickte ihn nur genervt an. "Leider bist du gekommen, und dann auch noch zu spät. Kannst nichts, bist nichts, kommst später, gehst früher – typisch, ist es nicht schön das Arbeiterdenkmal zu sein, noch dazu der beste Freund vom Chef?", konterte sie sofort. Kai sah sie wütend an, wollte etwas erwidern, fand aber keine passende Antwort und ging direkt in die Küche. Dort wartete bereits Ronny auf ihn und schrie ihn an, wo er bleibe und ob er noch ganz bei Trost sei, so spät zu kommen. Heute bekam Kai durchgehend sein Fett weg. Sophia nahm von dem Streit kaum noch etwas wahr, sie ging sofort nach hinten und begann, die Tische zu decken. Sophia wollte keinen Streit mehr hören. Während sie das Besteck anordnete, dachte sie darüber nach, wie sehr sie sich in Kai getäuscht hatte. Als sie neu im Restaurant war, hatte Kai sich sehr freundlich verhalten. Damals kamen sie noch einigermaßen gut miteinander aus. Doch dann begann er, sie ständig zu bedrängen und wollte mit ihr ausgehen. Er war sehr hartnäckig, aber sie wies ihn jedes Mal zurück. Sie wollte keine Beziehung mit einem Kollegen beginnen, das hatte sie ihm immer wieder gesagt. Außerdem wollte sie nicht nur eine weitere Eroberung von ihm sein. Kais Ego konnte es nicht ertragen, denn noch nie hatte eine Frau ihn abgewiesen. Kai war ein Aufreißer, der auch damit prahlte, wen er wieder abgeschleppt hatte. Sein Aussehen spielte dabei sicher eine Rolle. Er besaß einen durchtrainierten Körper, seine Arme waren muskulös, was seine Tätowierungen besonders hervorhob. Mit den Jahren kamen immer neue Tätowierungen hinzu. Sein Dreitagebart war stets perfekt gepflegt. Ebenso unverzichtbar war seine Cappy, ohne die sie ihn noch nie gesehen hatte. Er verströmte ein Selbstbewusstsein, das viele Frauen anzog. Doch für Sophia war es anders; über die Jahre empfand sie Kai zunehmend abstoßender. Wenn Sophia nicht auf seine Avancen einging, versuchte Kai, sie mit seinen plumpen Sprüchen zu provozieren. Sophia ignorierte Kai meistens und wechselte nur das Nötigste mit ihm an Worten. Ihre Aufgaben im Restaurant waren bereits erledigt, und es war noch genügend Zeit übrig. Paul hatte sich noch immer nicht blicken lassen, was Sophia die perfekte Gelegenheit gab. Da sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte und ihr Magen schon knurrte, entschied sie sich, schnell ein Sandwich zu holen, um wenigstens etwas im Bauch zu haben. Sophia musste nach unten gehen, um ihre Tasche zu holen, und nahm sicherheitshalber den Notizblock mit. Bevor Paul eintraf, wollte sie noch schnell ins Café gegenüber, um sich etwas zu essen zu holen. Als sie sah, dass die Straße frei war, rannte sie hinüber. Drinnen im Café stellte Sophia fest, dass alle Tische besetzt waren. An der Theke bildete sich bereits eine lange Schlange von Gästen, die Kuchen oder Sandwiches bestellen wollten. Am Tresen bemerkte sie ein neues Gesicht – es musste die neue Aushilfe sein. Eine junge Asiatin, etwas kräftiger, aber größer als die meisten asiatischen Frauen. Ihr Kleidungsstil war sehr bunt. Ihre Ausstrahlung war sehr sympathisch; sie wirkte überhaupt nicht aufgeregt. Es sah so aus, als ob sie schon seit Ewigkeiten im Café arbeiten würde, nicht erst seit Kurzem, dachte Sophia. Mike, der andere Mitarbeiter, flüsterte der neuen Aushilfe etwas ins Ohr und blickte dann zu ihr herüber. Sophia machte sich keine weiteren Gedanken und stellte sich an. Sie war wirklich hungrig und hoffte, dass es schnell gehen würde. Als sie an der Reihe war, bestellte sie ein Putensandwich und ein Stück Käsekuchen. In diesem Moment sprach die neue Aushilfe Sophia an: "Hallo, Entschuldigung", sagte sie sehr freundlich, "du bist Sophia, richtig?" „Ja“, antwortete Sophia zögernd. „Man hat schon nach dir gefragt, ob du hier warst“, sagte das junge Mädchen etwas schüchtern. „Wer hat nach mir gefragt?“, wollte Sophia wissen. Als sie das sagte, kam ihr sofort David in den Sinn. „Ein junger Mann, er war ungefähr vor einer halben Stunde hier.“ Natürlich, er war um 16:00 Uhr hier, wie gestern um diese Zeit. Er dachte wohl, er würde sie wieder zur selben Zeit treffen, schlussfolgerte Sophia. Trotzdem hatte sie nicht damit gerechnet. „David war hier?“, fragte sie überrascht. „Ja, genau so war sein Name. Er wollte später noch einmal vorbeikommen“, sagte das Mädchen. Sophia hatte den Notizblock in ihrer Tasche. Sie zog den Notizblock heraus und gab ihn dem Mädchen. "Entschuldigung, wie heißt du eigentlich?" wollte Sophia noch wissen und fragte das junge Mädchen freundlich. "Ich heiße May", antwortete sie mit einem Lächeln. "Okay, May, wärst du so nett, dem jungen Mann diesen Notizblock zu geben?" Sophia sah sie vertrauensvoll an, sie wollte sicherstellen, dass sie den Block in sichere Hände gab. "Ja klar, kein Problem. Er wird den Notizblock persönlich von mir erhalten. Mach dir keine Sorgen", sagte sie entspannt. May nahm den Block entgegen und verstaute ihn sofort in der Schublade unter der Kasse, zu der niemand außer dem Personal Zugang hatte. Sophia war beruhigt, denn sie wusste, dass May den Block ohne hineinzuschauen an David weiterleiten würde. "Gut, dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag, May", sagte Sophia. "Es war schön, dich kennenzulernen." "Oh, es war auch schön, dich kennenzulernen. Einen schönen Tag wünsche ich dir auch", erwiderte May. Sophia fand May sofort sympathisch und dachte, dass es kein Wunder sei, dass Simone sie als Aushilfe eingestellt hatte. May passte wirklich gut in das Café. Nachdem sie sich von Mike verabschiedet hatte, ging Sophia. Im Restaurant angekommen, setzte sie sich zuerst an einen Tisch, aß ihr Sandwich und trank dazu einen Kaffee. Es waren noch 15 Minuten bis zur Eröffnung des Restaurants, als Paul und Lucy eintraten. Wie üblich waren beide tadellos gekleidet. Sophia musste anerkennen, dass sie ein attraktives Paar abgaben. Lucy bewegte sich mit der Anmut eines Models durch das Restaurant, als ob es ihr Laufsteg wäre, immer darauf bedacht, mit ihren perfekt gestylten blonden Haaren zu glänzen. Lucy war das perfekte Püppchen – nicht besonders groß, nicht besonders klug, genau richtig für Paul, genau richtig für sein Ego. Für ihn zählten nur die Äußerlichkeiten. Paul hatte stets ein Gespür dafür, ob ein Gast vermögend war oder nicht, und gegenüber solchen Gästen konnte er besonders charmant sein. Paul hatte ein südländisches Aussehen und war nicht besonders groß, was ihn manchmal ärgerte. Sophia war etwas größer als Paul. Unabhängig von der Jahreszeit war Paul immer braungebrannt. Sie kamen gerade vom Einkaufen, zumindest sah es danach aus, wenn man die Tüten betrachtete, die sie trugen. "Hallo Sophia, schau, was Paul mir alles gekauft hat", sagte Lucy, hob die Tüten und präsentierte die vielen Einkäufe, ganz ihrem oberflächlichen Charakter entsprechend. Sophia ignorierte Lucy; sie wollte nicht wissen, was Lucy alles bekommen hatte. Dass sie spät dran waren und Sophia wieder einmal alles alleine erledigen musste, schien die beiden nicht zu kümmern. Sophia warf Lucy lediglich einen flüchtigen Blick zu, grüßte kurz und stellte ihre Tasse in die Küche, ohne weiter auf sie einzugehen. Sophia vernahm nur noch, wie Paul etwas murmelte, bevor er mit Lucy ins Büro verschwand. "Nur nicht aufregen", dachte sie und atmete tief durch. Sophia wollte nur noch eines: den Tag so schnell wie möglich hinter sich bringen. Morgen war Sonntag, und sie hatte frei. Sie wollte einfach nur entspannen und nichts tun. Das hatte sie sich nach dieser anstrengenden Woche verdient.


Sonntag

Es klingelte, doch es war nicht der Wecker, sondern ihr Telefon. Der Klang wurde in ihrem Kopf immer lauter. Es lag neben ihr im Bett. "Ja, hallo?" fragte Sophia verschlafen. "Sophia, schläfst du noch?" hörte sie eine Stimme im Berliner Dialekt fragen. Trotz ihrer Müdigkeit erkannte sie die Stimme sofort – es war ihre Tante Christina am Telefon. "Morgen, Tantchen. Ja, natürlich, es ist Sonntag. Wie spät ist es?" fragte Sophia verschlafen und leicht verärgert. "Hoffentlich ist es noch nicht zu früh, sonst lege ich gleich wieder auf." Kaum hatte Sophia diesen Gedanken zu Ende geführt, als ob ihre Tante es geahnt hätte, begann sie sofort zu sprechen. "Es ist 11:00 Uhr. Du kommst doch heute, oder? Die letzten Sonntage warst du nicht da. Heute musst du kommen. Und keine Ausreden – deine Schwester kommt heute nicht. Frank kommt vielleicht, er ist sich noch nicht sicher. Du und deine Schwester habt Glück, dass es Frank gibt, sonst wüsstet ihr nichts voneinander. Es ist bemerkenswert, dass er immer bereit ist, euer Sprachrohr zu sein. Du kennst den Unmut deiner Schwester darüber, deshalb nimmt sie auch selten an den Sonntagstreffen teil. Wir möchten auch über die Taufe sprechen; du hast das Baby deiner Cousine schon lange nicht gesehen. Du wirst die Patentante sein. Es wäre schön, wenn du öfter vorbeischauen würdest. Du bist immer bei der Arbeit, ich höre von dir nur 'Arbeiten, arbeiten, arbeiten'. Dabei müsstest du nicht als Kellnerin arbeiten, wenn du nicht so stur wärst. Ihre Tante war erregt und sprach ohne Unterbrechung. Einmal begonnen, konnte niemand ihre Tante vom Reden abhalten. Ihr Onkel George, der Ehemann ihrer Tante, bezeichnete sie immer als 'akustische Waffe'. "Sophia, fast alle sind heute da", sagte ihre Tante mit sanfter werdender Stimme. "Wir würden uns sehr freuen, dich wiederzusehen." "Tantchen, ich komme doch. Du musst nicht weiterreden. Alles Weitere besprechen wir dann dort. Ich lege jetzt auf, bis später. Hasta luego, Tantchen." "Ja, ja, wie auch immer. Hauptsache, du kommst", hörte sie ihre Tante noch sagen, bevor sie auflegte. Sophia liebte ihre Tante, aber das Gespräch hatte sie genervt. Es waren immer die gleichen Vorwürfe. Sie lag noch im Bett und hätte am liebsten weitergeschlafen, doch sie hatte bereits zugesagt, dass sie kommen würde. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als aufzustehen. Sophia wollte noch schnell die Wohnung aufräumen und die Wäsche machen, bevor sie ihre Familie traf. Es war schon spät geworden, und sie musste sich beeilen. Sie trafen sich immer um 13:00 Uhr, und es war bereits kurz davor. Um nicht zu spät zu kommen, entschied sie sich, mit der U-Bahn zu fahren. Mit dem Fahrrad bis zum Kurfürstendamm zu fahren, würde zu lange dauern. Sophia hätte mit dem Rad durch die halbe Stadt fahren müssen. Als sie im Restaurant ankam, waren alle bereits da. Es ist zur Tradition geworden, jeden Sonntag in der Schildkröte Currywurst zu essen. Seit Sophia sich erinnern kann, traf sich ihre Familie dort. Auch Sophias Mutter und Tante waren seit ihrer Kindheit jeden Sonntag hier, und diese Tradition wurde fortgesetzt. Hier würde immer alles besprochen oder man traf sich einfach mal so, um alle wiederzusehen. Es war ein Treffpunkt für ihre Familie. Ihre Familie saß auch immer am selben Tisch ganz hinten im Restaurant. Das Restaurant war urig eingerichtet. Es hingen viele Fotos von berühmten Schauspielern aus längst vergangenen Zeiten an den Wänden. Die Einrichtung hatte sich in all den Jahren kaum verändert. An Charme hat es nie verloren. Sophia möchte die Atmosphäre, es war immer eine gute Mischung zwischen Touristen, Einheimische im Lokal. Hallo Sophia, da bist du ja endlich", begrüßte ihre Tante sie eingeschnappt. "Hallo Tantchen", erwiderte Sophia und verdrehte die Augen, "ich habe doch gesagt, dass ich komme." Sie nahm Platz. Ihre Tante hatte nicht übertrieben – fast alle waren da: Sophias Onkel George, der Mann ihrer Tante, sowie deren drei Kinder – Katja mit ihrem Mann Sven und dem Baby Luis, Tina und auch Nadine. Nadine hatte offenbar einen neuen Freund dabei, den Sophia noch nicht kannte – Nadines neueste Eroberung. Der Bruder von Onkel George, Alex, war mit seiner Frau Susanne da, ebenso deren Sohn Stefan mit seiner Frau Eva und ihren vierjährigen Zwillingen Max und Sarah, die wirklich süß waren. Auch Frank, der Mann ihrer Schwester, war anwesend. Sophia grüßte die Runde mit einem "Hallo". "Habt ihr schon bestellt?" fragte sie. Tante Christina, die wie immer das Wort ergriff, antwortete: "Ja, wir haben auch für dich bestellt – wie immer ein Bier und eine Currywurst mit Pommes, richtig?" "Richtig... Was würde die Familie nur ohne dich machen?" neckte Sophia ihre Tante zurück. Alle außer ihrer Tante am Tisch mussten lachen. Mit versöhnlicher Stimme sagte Sophia: "Hoffe, du hast eine große Currywurst bestellt, ich habe riesigen Hunger und noch nichts gegessen." Sie setzte sich neben Frank, den Mann ihrer Schwester, und begrüßte ihn: "Hallo Frank, schön, dass du gekommen bist. Habe ich etwas Wichtiges verpasst?" Die Freude, Frank wiederzusehen, war ihr anzumerken. Frank antwortete: "Hallo Sophia, schön, dass du auch da bist. Nein, du hast nichts verpasst. Du kennst doch deine Tante, sie hasst Unpünktlichkeit und hat gewartet, bis alle da sind." Er sagte es laut genug, dass Sophias Tante es hören konnte. Alle liebten es, sich einen Spaß daraus zu machen, ihre Tante Christina zu ärgern. Tante Christina konnte manchmal wie eine Naturgewalt wirken. Sie war eine stattliche Frau mit einer kräftigen Statur. Obwohl Sophias Tante Anfang 60 war, legte sie immer großen Wert auf ihr gepflegtes Äußeres. Das war wahrscheinlich ihrem Beruf geschuldet, da sie im KaDeWe in der Kosmetikabteilung arbeitete. Mit ihrer Brille entging ihr nichts, sie hatte stets einen scharfen Blick. Frank neigte sich zu Sophia und flüsterte: "Du siehst blass und müde aus. Du bist sehr dünn geworden. Geht es dir gut?" Er blickte sie besorgt an. "Ja... die Woche war einfach sehr stressig, ich bin kaum zum Essen gekommen", antwortete sie. Du musst dir keine Sorgen machen. Spricht der Arzt aus dir, oder mein Schwager?“, flüsterte Sophia zurück. „Beides... Ich bin nur froh, dass du hier bist, sonst wäre es nur halb so lustig.“ Sophia und Frank verstanden sich von Anfang an blendend. Wenn sie zusammenkamen, gab es immer viel zu lachen; sie hatten schon immer eine besondere Vertrautheit. Was den Humor anging, waren sie auf einer Wellenlänge. Sie unterhielten sich noch eine Weile, bis das Essen kam. Eine riesige Currywurst mit Pommes frites lag auf dem Teller, und sie freute sich riesig, denn sie hatte großen Hunger. Nach dem Essen würde alles besprochen, was die Taufe betrifft. In den letzten Wochen ist viel passiert. Ihre Tante war in ihrem Element und informierte die ganze Familie ununterbrochen über alles. Als alles besprochen war, wollte noch niemand nach Hause gehen, auch Sophia nicht. Nur Nadine wollte mit ihrem neuen Freund wahrscheinlich etwas anderes unternehmen. Katja musste leider auch gehen, wegen des Babys. Sophia hätte sich gerne noch länger mit Katja unterhalten, ihrer Lieblingscousine. Sie waren im gleichen Alter, Katja nur ein paar Monate älter. Sophia wird im September 30. Wie schnell die Zeit vergeht – jetzt ist Katja schon Mutter. Sie trug ihre braunen Haare in einem kurzen Bob, was ihr laut Sophia sehr gutstand. Katja war deutlich kleiner als Sophia und ähnelte ihrer Mutter in keiner Weise, sondern kam eher nach ihrem Vater. Sie war eine sehr ruhige Person, die stets nachdachte, bevor sie etwas sagte. Der Abend versprach, sehr lustig und ausgelassen zu werden. Es war bereits 19:00 Uhr, als sie das Restaurant verließen. Sophia war erleichtert, nicht mit dem Fahrrad gefahren zu sein, da sie es sonst hätte stehen lassen müssen. "Ich fahre mit der U-Bahn, und du?" wollte Sophia wissen. Auch Frank hatte ordentlich getrunken. "Ich nehme ein Taxi, bin auch schon damit gekommen. Es endet ja meistens damit, dass wir zu viel trinken. Deshalb lasse ich das Auto gleich zu Hause. Deine Schwester wird mich umbringen, weil ich so viel getrunken habe. Verrat ihr bloß nicht, wie viel", sagte er, legte seinen Zeigefinger auf die Lippen und schmunzelte. "Mach dir keine Sorgen, ich werde es ihr nicht verraten", erwiderte Sophia lächelnd, doch eine leichte Wehmut schwang in ihrer Stimme mit. Frank war zu betrunken, um es zu bemerken. „Stimmt, manchmal ist es sogar von Vorteil, dass du und deine Schwester nicht miteinander sprecht", sagte Frank und blickte auf seine Uhr. "Ich muss jetzt wirklich los, sonst gibt es Ärger. Komm gut nach Hause und gib mir Bescheid, wenn du angekommen bist." "Ja, mache ich", erwiderte sie. Nachdem sie sich verabschiedet hatten, ging Sophia langsam und vorsichtig zur U-Bahn, während Frank sich ein Taxi heranwinkte. Zu Hause angekommen, schickte sie Frank eine kurze Nachricht, dass sie wohlbehalten angekommen war, setzte sich auf die Couch und schaute Fernsehen, bis sie einschlief.


Montag

Sophia hatte normalerweise Sonntag und Montag frei. Doch dieses Mal ließ sie sich überreden, am Montag zu arbeiten, da sie das zusätzliche Geld gut gebrauchen konnte. Am Montag war das Restaurant nur mittags geöffnet. Paul und Lucy hatten sich den Tag freigenommen. Sophia bereute es ein wenig, zugesagt zu haben, denn sie wachte mit starken Kopfschmerzen auf. Am liebsten wäre sie den ganzen Tag im Bett geblieben. Trotz der Einnahme einer Kopfschmerztablette plagten sie die Schmerzen auch auf dem Weg zur Arbeit. Während der Fahrt zum Restaurant war sie erleichtert, dass Paul heute abwesend war. Sie ging hinunter, um sich umzuziehen, und traf dort auf Bea, die gerade ihr Hemd anzog. Sie würde gleich überschwänglich begrüßt. "Hallo Sophia, bin ich froh das du heute da bist. wie geht es dir? Wie war die Woche ohne mich?" "Hallo Bea, furchtbar. Ich bin so froh, dass du zurück bist." Sie umarmten sich. "Und bei dir, Bea, alles in Ordnung? Wie war dein Urlaub?" "Viel zu kurz. Ich wollte eigentlich gar nicht zurückkommen." Kurz erzählte sie von ihrem Urlaub, dann machten sie sich an die Arbeit. Bea arbeitete immer nur mittags, von Montag bis Freitag. Wenn Bea da war, lief alles reibungslos; sie waren ein perfekt eingespieltes Team. Jeder wusste, was zu tun war. Sie konnten sich aufeinander verlassen – nicht so wie bei Paul. Heute war viel los gewesen, aber dennoch hatten sie alles rechtzeitig geschafft. Es war so viel angenehmer, wenn Paul nicht da war.  Es war 15:00 Uhr, alle Gäste hatten das Lokal verlassen, und es stand nur noch das Aufräumen an. Bea machte normalerweise um 15:30 Uhr Feierabend, um ihre Tochter rechtzeitig um 16:00 Uhr aus der Kita abzuholen. "Bea, ich werde jetzt gehen, ist das okay für dich?", erkundigte sich Sophia nochmals. "Selbstverständlich, ich kümmere mich um den Rest. Einen erholsamen Abend wünsche ich dir", antwortete Bea mit einem Lächeln. "Danke, es ist so eine Erleichterung, dass du zurück bist", sagte Sophia dankbar, froh darüber, endlich pünktlich loszukommen. Sie überquerte die Straße zum Café gegenüber, um Simone kurz Hallo zu sagen. Sophia war darauf bedacht, schnell nach Hause zu kommen und sich auszuruhen. Die Müdigkeit vom Vortag hing ihr noch nach. Das Café war wieder einmal gut besucht. Simone stand hinter der Theke, als sie Sophia erblickte. „Hey Sophia, kommst du wegen des Notizblocks?“, wollte Simone wissen und grinste amüsiert. „Nein, ich komme deinetwegen; an den Notizblock habe ich gar nicht gedacht“, sagte sie leicht genervt. „Wie war dein Kurztrip?“ Simone ignorierte, dass Sophia den Notizblock nicht interessierte. „Wunderschön, ich habe mich schon lange nicht mehr so entspannt gefühlt. „Ich kann es nur empfehlen“, schwärmte Simone. „Das hört sich doch gut an. Du solltest es öfter machen, du siehst fünf Jahre jünger aus“, sagte Sophia neckend, ohne nach dem Block zu fragen. "Ach du, lenk nicht ab, was geht da zwischen dir und David vor?" Simone war ganz aufgeregt, als sie Sophia den Notizblock reichte. "Wieso? Es ist nur ein Notizblock. Er hatte sich nur erkundigt, was ich lese und wie mein Tag war, mehr nicht. Da läuft gar nichts. Mich wundert es wirklich das er schon zurückgeschrieben hat" Sophia nahm den Notizblock etwas verständnislos von Simone entgegen. "Okay, wenn du das sagst. Es ist nur komisch, dass er fast jeden Tag kommt, um den Notizblock zu holen. "Ja, findest du? „Mike meinte er war am Samstag zweimal dagewesen und hat sofort zurückgeschrieben" "Vielleicht langweilt er sich auch, wer weiß. Kann sein das seine letzte Nachricht hier drin steht", sagte Sophia, während sie mit dem Notizblock wedelte. "Hmm, kann sein, wir werden sehen", meinte Simone skeptisch. Sophia gähnte, als sie sagte: "Ich gehe jetzt nach Hause, ich will nur noch ins Bett." Ich bin noch sehr müde von gestern. "Wir hatten gestern Familientreffen. "Okay, mach das, wir sehen uns morgen", wollte Simone wissen und zog dabei eine Augenbraue hoch, während sie auf den Notizblock schaute. "Vielleicht komme ich in der Früh vorbei, bevor ich zur Arbeit muss. Ich schaue mal, ob ich heute schon antworte." Sophia grinste und ging los. Die Straßen waren voll, aber glücklicherweise war sie mit dem Fahrrad unterwegs und kam so viel schneller voran. Sie fuhr meist auf dem Gehweg, was sie schnell nach Hause brachte. Als sie ankam, warf sie ihre Tasche auf die Couch, setzte sich hin, schaltete den Fernseher ein und schlief bald ein. Plötzlich schreckte sie hoch und dachte, sie hätte die ganze Nacht durchgeschlafen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie zwei Stunde tief und fest geschlafen hatte. Noch etwas benommen suchte sie nach ihrer Tasche, zog den Notizblock heraus, blätterte zur richtigen Seite und begann zu lesen.

 

Hallo Sophia,

es freut mich zu sehen, dass du mir geantwortet hast. Offen gestanden hatte ich auch nicht erwartet, noch etwas von dir zu hören. Deine Tage sind also voll verplant. Soweit ich mich erinnere, habe ich dich nicht nach einem Date gefragt, also mach dir keine Sorgen. Schreibe, wenn du Lust hast, ganz nach deinem Belieben. Auf deine Frage hin: Nein, mir ist nicht langweilig. Du hast lediglich meine Neugier entfacht. Es hat mich sehr überrascht zu erfahren, dass du für Paul arbeitest, und das schon seit vier Jahren. Nachdem was du erzählt hast wundert es mich sehr, dass du noch für ihn arbeitest. Entweder bist du masochistisch veranlagt oder du besitzt die stärksten Nerven, die ich kenne. Berlin ist zwar eine Großstadt, kommt einem aber manchmal so klein vor. Das wird dich überraschen. Ich kenne Paul, oder besser gesagt, meine Mutter kennt ihn. Er hat vor langer Zeit bei ihr gearbeitet. Schon damals war er unangenehm, daher überrascht es mich nicht, dass er sich nicht geändert hat. Mehr weiß ich allerdings auch nicht, außer dass er etwas Unverzeihliches getan hat und meine Eltern immer noch verärgert über ihn sind. Kein Wunder, dass du schlecht gelaunt bist. Aber wenn du liest, wirkst du sehr friedlich. Warum suchst du dir nicht etwas Neues? Berlin wimmelt nur so von guten Restaurants. Wie bist du eigentlich zu deinem Job gekommen? Ich habe mich gefragt, warum du als Kellnerin arbeitest, wenn du es so verabscheust. Manchmal arbeite ich in der Bar meiner Mutter. Es ist zwar nicht dasselbe, aber ich habe immer meinen Spaß. Es ist immer wieder amüsant, was man mit den Gästen erlebt. Ich bin neugierig, was du als Nächstes mit den Gästen oder mit Paul erleben wirst. Glaub es oder nicht, ich würde mich freuen, wieder von dir zu hören.

Bis bald, David


"Okay, wenn du es unbedingt willst", dachte sie bei sich. Bevor sie loslegte, ging sie in die Küche, um sich noch was zum trinke zu holen. Auf der Couch machte sie es sich erstmal gemütlich. Sophia überlegte hin und her, was sie nun schreiben sollte.


Hallo David,

du hast zwar nicht nach einem Date gefragt, das ist richtig. Masochistisch veranlagt bin ich definitiv nicht; die Nervenstärke habe ich mir antrainiert. Es scheint, ich habe deine Neugier geweckt, und nun hat mich auch die Neugier gepackt. Du kennst also Paul. Wie heißt die Bar deiner Mutter? Vielleicht kenne ich sie. Warum bin ich Kellnerin geworden? Die Geschichte, wie ich zu diesem Job kam, ist lang. Kurz gesagt: Ich war jung und brauchte das Geld. Vor fünf Jahren lebte ich noch in Madrid und studierte Bildende Kunst, kurz vor meinem Bachelor. Während in Spanien die Finanzkrise herrschte, war es in Berlin einfacher, einen Job zu finden als in Madrid. Deshalb bin ich nach Berlin zurückgekehrt. Ich hatte mich überall beworben, wo es um Kunst ging, aber mit meinem halb fertigen Kunststudium erhielt ich nur Absagen. Ein Kunststudium zu verfolgen, ist wirklich eine brotlose Kunst; es gibt einfach nicht so viele Jobmöglichkeiten. Ich war kurz davor aufzugeben, als ich die Anzeige las, persönlich vorbeiging und den Job bekam. Ich dachte, als Kellnerin würde ich zumindest Trinkgeld bekommen, um etwas zu sparen. Ich hatte keine andere Wahl. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bisher nicht, dass Paul einen schlechten Ruf in der Gastronomieszene hatte. Glaub mir, ich wollte schon oft aufhören, aber meiste Zeit habe ich jetzt meine Ruhe. Mein Gehalt kommt pünktlich, und das Trinkgeld ist ebenfalls gut, dass ich nicht mit so vielen teilen muss. Ich habe mich mit der Situation abgefunden. Jetzt ist es nur noch ein Jahr, dann bin ich fertig und kehre nach Madrid zurück. Was machst du eigentlich, wenn du nicht bei deiner Mutter arbeitest? Du scheinst mehr Zeit zu haben als ich.

Mach's gut, Sophia.


Sophia klappte den Notizblock zu und blickte auf die Uhr. Ihr Magen begann zu knurren; sie hatte wieder den ganzen Tag nichts gegessen. Doch die Lust zu kochen fehlte ihr. Sie überlegte, ob sie noch einmal losfahren sollte, um den Block bei Simone abzugeben und sich gleichzeitig etwas zum Essen zu holen. Obwohl Sophia noch erschöpft war, machte sie sich schnell frisch, schlüpfte in ihre Schuhe, setzte sich auf ihr Fahrrad und trat in die Pedale. Sie wollte nur rasch ins Café, den Block abgeben und dann zurück nach Hause. Bei den Gedanken daran, wie Simone reagieren würde, wenn sie sie mit dem Block überrascht, musste sie schmunzeln. Dieses Gesicht, voller Überraschung – darauf freute sie sich jetzt schon. Sie betrat das Café und begrüßte sofort Simone: "Hallo Simone, wir sehen uns schneller wieder, als du dachtest." Im Café war es ruhig geworden, nur ein paar Gäste saßen verstreut an den Tischen, und man merkte, dass der Feierabend nahte. „Mit dir habe ich wirklich nicht mehr gerechnet,“ sagte Simone überrascht, während sie gemeinsam mit Mike die letzten Bowls und Sandwich aus der Theke räumte. „Ach, ich bin einfach zu faul zum Kochen, deshalb bin ich wieder hier. Was würde ich jetzt für ein Pan con Tortilla geben!“ Sophia seufzte, während sie sich auf einen leeren Stuhl niederließ. „Du und dein komisches Zeug“, neckte Simone und schüttelte den Kopf. „Du hast keine Ahnung, wie gut das schmeckt“, erwidert Sophia mit einem breiten Grinsen. „Das klingt genauso interessant wie dieses Baguette mit Calamares, das du mir mal aufschwatzen wolltest. Du wirst dich heute wohl mit einem schlichten Puten- oder Käsesandwich begnügen müssen. Mehr gibt`s nicht.“ Dabei zeigte Simone auf die letzten übrig geblieben Sandwich in ihrer Hand. Sophia schmunzelte vor sich hin. „Was für eine Qual der Wahl. Na gut, dann nehme ich das mit Käse. Aber wenn ich wieder in Madrid bin, musst du mich besuchen. Dann machen wir eine Tapas – Tour, und ich lasse dich all die `komischen` Sachen probieren. Dann wirst du verstehen, was ich meine.“ Sophia sah Simone mit einem melancholischen Lächeln an. „Ja, bist dahin dauert es noch“, seufzte Simone „Erstmal bist du ja noch in Berlin. Um deine Sehnsucht zu stillen, können wir hier in eine Tapas – Bar gehen.“ „Das ist nicht dasselbe!“, erwiderte Sophia und verzog das Gesicht. „Egal in welchen Tapas-Bar ich hier war, die Tortilla war immer viel zu trocken. Das kann man einfach nicht vergleichen.“ "Das ist wirklich sehr interessant. Bist du nur wegen des Sandwichs hier?" "Eigentlich ja, aber ich habe auch den Notizblock dabei, falls du das meinst." Sie versuchte, dabei so beiläufig wie möglich zu klingen, damit Simone nichts hineininterpretierte. Sophia reichte ihr den Block. Simone grinste breit; sie konnte ihre Freude nicht verbergen, dass Sophia sofort geantwortet hatte. "War er heute schon da?" wollte Sophia wissen. "Wer denn?" fragte Simone unschuldig. Sophia verdrehte die Augen. "Echt jetzt... du weißt genau, wen ich meine." "Nein, David war heute nicht da", antwortete Simone. Sophia winkte ab. "Ist auch egal, gib mir das Sandwich. Ich will schnell nach Hause und einfach nur auf die Couch." Sophia bezahlte ihr Sandwich, gab Simone ein Luftküsschen und fuhr nach Hause.

 

Dienstag

Weil sie gestern an ihren freien Tag gearbeitet hatte und so müde war, hatte sie völlig vergessen, zur Bank zu gehen, was sie normalerweise jeden Montag tat. Dies wollte sie heute nachholen. Das sie gestern Abend früher in Bett ging. War Sophia sehr früh wach. Voller Tatendrang erledigte sie ihre Aufgaben. Danach ging sie Ausgeruht zur Bank die nicht weit wahr wo sie wohnte.  Am Schalter wurde sie bereits erkannt. "Hallo Frau Lorenz, Sie waren gestern nicht hier. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht." Hallo Frau Wagner, alles ist gut, ich hatte gestern nur keine Zeit. Wenn es die Zeit erlaubte, gab es einen kurzen Plausch. Nachdem alles erledigt war, verabschiedete sie sich. Sophia ging zum Bäcker, holte Brötchen für das Frühstück und ging nach Hause. Nachdem sie gefrühstückt hatte, wusch sie schnell den Teller und ihre Tasse ab. Dann zog sie ihre Schuhe an und fuhr zur Arbeit. Als Sophia ankam, sah sie Simone, die gerade dabei war, die Einkäufe vom Auto ins Café zu tragen. Sophia schloss ihr Fahrrad ab und rannte schnell über die Straße. Sobald sie ankam, begann sie zu helfen. "Hey Simone, du kommst aber spät", bemerkte sie mit gerötetem Gesicht. "Hey Sophia, du bist wirklich ein Schatz, danke für deine Hilfe." Im Großmarkt war ein unglaublicher Trubel, und dann noch der Verkehr auf dem Weg hierher. Diese ständigen Baustellen in Berlin machen mich wahnsinnig, überall sind Straßen gesperrt. Es ist unglaublich, man würde erwarten, dass eine Hauptstadt das besser im Griff hat. Ich habe es kaum zum Café geschafft, es gab keine Ausweichmöglichkeiten. Die Straßen waren komplett verstopft. Und das alles bei den Steuern, die ich zahle!", fuhr Simone fort. Sie brachten die restlichen Einkäufe ins Café. "Hast du noch etwas Zeit, oder musst du schon los?", fragte Simone. "Ich sollte eigentlich schon los", antwortete Sophia, leicht außer Atem. <Warte> Simone ging zur Theke sperrte eine Schublade auf nahm den Notizblock raus und gab in ihr. Simone war immer noch aus der Puste. "David war gestern Abend noch hier, kurz bevor du gegangen bist. Ihr habt euch gerade verpasst", sagte sie und blickte Sophia erwartungsvoll an. "Du scheinst ihn mir ja wirklich ans Herz legen zu wollen. Wir haben ein paar Mal geschrieben. Aber das führt nicht zu einer Beziehung, was auch nicht mein Wunsch ist. Das weißt du und das weiß er auch", entgegnete Sophia. Simones Stimme wurde leiser und dringlicher: "Wer spricht denn von einer Beziehung?" Vielleicht würde sich deine kleine Freundin auch mal wieder freuen, wenn nicht nur Latex im Spiel wäre, sondern auch etwas aus Fleisch und Blut." Simone nickte und sah Sophia direkt an. Sophia war von Simones Worten etwas schockiert. Meiner kleinen Freundin geht es gut, mach dir keine Sorgen", sagte sie. "Und was meinen Silikonfreund angeht, muss ich mich nicht bedanken, und kuscheln möchte er auch nicht." Beide blickten sich an und lachten. "Ich meine es ernst", flüsterte Simone, "ich kann es nur empfehlen." "Was kannst du mir empfehlen?", fragte Sophia verwirrt. "Man meldet sich, wenn man möchte, ohne Verpflichtungen. Bei mir klappt das super", sagte Simone und grinste geheimnisvoll. "Oh mein Gott, du redest von Tinder! Seit wann bist du denn auf Tinder?", rief Sophia entsetzt. "Pssst", zischte Simone, "Ich rede nicht von Tinder, das ist unter meinem Niveau. Ich spreche von 'Freundschaft Plus'." "Seit wann hast du denn 'Freundschaft Plus und mit wem'?", fragte Sophia erstaunt. "Ach, schon lange, bestimmt ein halbes Jahr", sagte Simone grinsend und verschwörerisch. Sophia antwortete leiser: "Du verarschst mich doch, das erzählst du mir erst jetzt?" Sie konnte nicht glauben, was sie gerade gehört hatte, meinte aber sofort: "Außerdem glaube ich nicht, dass David so ein Typ ist." "Schreib ihn doch und frag nach", sagte Simone leicht provokant. "Das werde ich garantiert nicht tun", entgegnete Sophia bestimmt. "Ich muss jetzt rüber, und das mit deinem speziellen Freund, darüber reden wir später", sagte Sophia, überzeugt, dass dies bisher nicht das letzte Wort war. Sie rannte über die Straße zum Restaurant, schüttelte ungläubig den Kopf und musste immer noch über das Gespräch lachen. Simone überraschte sie wirklich immer wieder.

Der Nachmittag verlief reibungslos, Sophia wollte gerade das Restaurant verlassen. Plötzlich vernahm sie einen Streit im Büro. Paul und Alex erhoben ihre Stimmen gegeneinander. Sophia wusste genau, worüber die beiden streiten. Bea blickte sie fragend an und erkundigte sich nach der Situation. Sophia, die eilig nach Hause wollte, versicherte Bea, ihr morgen die Einzelheiten zu erklären. Bea wirkte leicht enttäuscht, bestand jedoch nicht darauf, Sophia aufzuhalten. Nach ihrer Ankunft zu Hause machte sich Sophia erst einmal etwas zu essen. Es frustrierte sie gelegentlich, dass Paul keine Mahlzeiten für die Mitarbeiter bereitstellte und sie stets selbst für ihr Essen sorgen oder schnell etwas zubereiten musste. Meistens bereitete sie sich schnell Pasta zu, so wie heute. Ihr Hunger war großer als ihrer Neugier. Als das Essen fertig war, setzte sie sich an den Küchentisch, aß die Nudeln und las nebenbei, was David ihr geschrieben hatte.

 

Hallo Sophia,

die Bar meiner Mutter heißt Chulo. Du kennst sie vielleicht, da sie in Berlin in der Gastronomieszene ziemlich bekannt ist. Ich habe Paul nie persönlich gekannt; er war ein Mitarbeiter meiner Mutter. Über die Einzelheiten bin ich nicht informiert. Meine Mutter spricht ungern über die Vergangenheit. Es ist jetzt 10 Jahre her, ich war zu der Zeit gerade 15 und nicht sehr involviert. Ich weiß lediglich, dass meine Mutter ihm vertraute und Paul sie tief enttäuscht hat. Mein Vater ist nach all den Jahren immer noch sehr wütend auf ihn. Sollte er Paul treffen, würde er nichts garantieren. Paul ist auf Lebenszeit aus der Bar verbannt. Also, wenn du eine Paul-freie Zone suchst, er ist dort nicht willkommen. Wie gesagt, Berlin ist klein. Nun zu dir: Du hast in Madrid Kunst studiert? Was genau war dein Studienfach? Ich stelle mir vor, dass es eine großartige Zeit war und du deshalb zurückkehren möchtest. Du hast nicht viel darübergeschrieben, warum du nach Berlin zurückkehren musstest. Entschuldige meine Neugierde. Warum brauchtest du viel Geld? Hast du Schulden? Hast du keine Familie hier? Gefällt dir Berlin nicht? Es ist viel Zeit vergangen, seitdem du das letzte Mal in Madrid warst. Es hat sich bestimmt viel verändert. Warum möchtest du so dringend zurückkehren? Bist du verheiratet und dein Mann lebt in Madrid? Habt ihr Schulden, und du musst in Berlin arbeiten, um ihm Geld zu schicken? Oder musstest du fliehen und kannst erst mit dem verdienten Geld nach Madrid zurück? Was ist der Grund, dass du so lange durchgehalten hast? Ich möchte es einfach nur verstehen. Du sagst, du hast noch ein Jahr vor dir. So lange möchtest du noch für Paul arbeiten. Deine Nerven müssen wirklich stark sein. Das waren jetzt viele Fragen auf einmal. Deshalb finde ich es nur fair, auch etwas über mich zu erzählen. Ich habe Innenarchitektur studiert, aber mein Studium nicht beendet. Wie du siehst habe ich mein Studium auch abgebrochen. Vorher absolvierte ich eine Schreinerlehre, die ich nun gelegentlich in meinem alten Ausbildungsbetrieb fortsetze. An den anderen Tagen arbeite ich, wie du weißt, im Geschäft meiner Mutter. Beruflich bin ich also durchaus aktiv. Ich nehme mir nur Zeit für das, was mir wichtig ist. Ich freue mich darauf, bald von dir zu hören.

Bis bald, David.


„Da soll einer nochmal sagen Frauen seien nur neugierig.“ Murmelte Sophia wehrend sie nochmal die Nachricht lass. Nachdem sie ihre Pasta verspeist und den Teller gespült hatte, machte sie es sich mit ihrem Notizblock auf der Couch bequem und grübelte darüber nach was sie zurückschreiben sollte. Sie kaute nachdenklich auf ihrem Stift und beschloss, nicht auf jede seiner Fragen zu antworten. Nur so viel, was sie bereit war Preiszugeben. Schließlich nach reiflicher Überlegung schrieb sie zurück.


Hallo David,

du bist wirklich sehr neugierig. Was du dir nicht alles vorstellst! Nein, es wartet kein Mann auf mich in Madrid, und auf der Flucht bin ich auch nicht. Ja, ich habe Familie hier in Berlin und ich mag die Stadt durchaus. Allerdings ist es für mich in Berlin schwieriger. Warum ich so viel Geld benötige? Wie ich bereits sagte, ist das eine lange Geschichte. Wir kennen uns nicht gut genug, aber vielleicht erzähle ich sie dir eines Tages. Früher habe ich immer gemalt, aber leider finde ich heute nicht mehr die Zeit dafür. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nach Madrid zurückkehren möchte. Deine Einstellung, sich Zeit für das zu nehmen, was Spaß macht, hatte ich auch einmal, aber in Berlin habe ich sie verloren. Du hast also Innenarchitektur studiert – hat es dir nicht gefallen? Warum hast du aufgehört? Jetzt klinge ich neugierig, aber das ist nur fair für jeden. Für Paul zu arbeiten, ist nicht einfach, besonders weil er einen immer zu übervorteilen versucht. Deshalb überrascht es mich nicht, dass deine Eltern ihn nicht mehr in die Bar lassen. Ich habe zuvor noch nie von eurer Bar gehört, was wohl daran liegt, dass ich mich nicht in der Gastronomieszene bewege. 'Chulo' ist ein interessanter Name für eine Bar. Da ich noch etwas Spanisch kann, verwirrt mich der Name aufgrund seiner Bedeutung. Ich bin gespannt, warum die Bar so genannt wurde.

Bis bald, Sophia


Sophia hatte sich gerade gemütlich auf der Couch niedergelassen, als die Pause viel zu schnell vorüberging. Sie wollte noch nicht aufstehen und zur Arbeit zurückkehren. Widerwillig bereitete sie sich vor, packte ihren Notizblock in die Tasche und machte sich auf den Weg. Sie beschloss, schnell bei Simone im Café vorbeizuschauen, um den Notizblock abzugeben. Als Sophia das Café betrat, sah sie nur Mike an der Theke, der ihr zu verstehen gab, dass Simone in der Küche war. Sophia nickte dankend und ging direkt durch zum Küchenbereich, wo Simone gerade Gemüse schnitt. Als sie Sophia sah, regte sie sich gleich wieder auf, wegen heute früh. Was für ein Durcheinander – das ist kaum zu glauben. Weil ich heute so spät dran war, komme ich erst jetzt dazu, das Mise en Place vorzubereiten. Nur weil die Stadt es nicht schafft, vernünftige Umleitungen zu organisieren. Unglaublich, und dafür zahle ich Steuern! Aber dass ich dadurch weniger Umsatz mache, interessiert niemanden. Hauptsache, die Steuern für solch unsinnige Umbauten werden bezahlt. Entschuldige, dass ich mich so aufrege. „Na, hast du was in deiner Pause gemacht?“, wollte Simone wissen. „Nicht viel, war nur kurz zu Hause, habe etwas gegessen und wieder etwas in den Notizblock geschrieben. „Würdest du so nett sein und wieder den Postboten spielen?“ Sophia grinste dabei breit. „Aber natürlich, ich fungiere liebend gerne als dein Postbote“, erwiderte Simone ironisch. „Gib schon her, das Ding“, sagte Simone und nahm den Notizblock an sich, während sie andeutete, Sophia damit zu schlagen. „Aber nicht drin lesen, das gehört zum Briefgeheimnis“, fügte Sophia mit einem verschmitzten Lächeln hinzu. Simone tat beleidigt. „Dass du mir das zutraust, das trifft mich sehr. Wäre es nicht einfacher eurer Nummern auszutauschen? Dann brauchst du auch keine Angst haben“ „Vermutlich, wo würde dann aber für dich der Spaß bleiben. Außerdem gefällt mir gerade es so wie es ist“ „Stimmt schon, sobald man Nummern austauscht wird nur auf das Handy geschaut um zu sehen ob der schon geschrieben hat. So hat es noch was Romantisches“ „Du bist eine unverbesserliche Romantikerin. Ok... So, ich geh jetzt rüber und will dich nicht länger aufhalten“, sagte Sophia, bevor sie sich verabschiedete und ihr die Unterhaltung vom Mittag wieder einfiel. „Ach... Ich habe das noch nicht vergessen mit der 'Freundschaft Plus'.“ Du schuldest mir noch eine Erklärung. Sophia gab Simone zu verstehen, dass sie auf jeden Fall mehr darüber wissen will. Simone gab sich sehr geheimnisvoll "Vielleicht, wir werden sehen, ich habe auch meine Geheimnisse," sagten sie und winkten sich zum Abschied fast kindlich übertrieben zu. Manchmal waren sie einfach zu albern, aber genau das machte ihre Freundschaft aus.

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